Ach, Sie Herr der „Welt“ – wenn schon polemisieren, dann bitte nicht so um Ecken. Dann lieber feste druff! Nicht versteckt hinter Zitaten!

Druckte da die „Welt“ vom 25. November ein Zitat aus der ZEIT vom gleichen Tage: „Die Große Koalition fördert den Radikalismus, sie zerschlägt ihn nicht.“ Die ZEIT fand nämlich, daß der „Mini-Koalition“ (SPD/FDP) der Vorzug vor der großen (CDU/CSU/SPD) gebühre und führte Gründe dafür an. ZEIT-Ansicht! Meinung der Redaktion! (Dargeboten auf Seite 3.)

Die „Welt“ fügte diesem Passus schlau ein anderes Zitat, nämlich von Seite 4 der ZEIT, hinzu: „Die sogenannte ‚Mini-Koalition‘ (SPD/FDP) wäre nach Ansicht vieler Beobachter zu solch entschlossener Führung kaum in der Lage ...“ Das stand tatsächlich in einem Bericht aus Bonn. Es war Ansicht „vieler Beobachter“. Meinung der anderen.

Und schließlich zitierte die „Welt“ einen simplen Satz, der in ganz anderem Zusammenhang in die ZEIT geraten war. Er hieß: „Kurzum: ‚Wir sind alle doof‘.“

Was soll’s? Freilich hat schon mancher Autor – ein literarischer Fuchs – sich in seinem Satzbau mit vielen Ausgängen versteckt. Sollte jetzt ein solches Versteckspiel mit Zitaten betrieben werden?

Der Zitator weist mit dem Finger auf uns und läßt an „Figaros“ Erkenntnis-Szene denken: „Er sagt es ja selbst.“ Also: „Wir sind doof“ – wir sagen’s ja selbst!

So. Und wenn wir nun prüfen, warum wir nicht nur allgemein, sondern auch noch im speziellen Falle nach Ansicht der „Welt“ doof sind, drängt sich die Antwort auf: Offensichtlich deshalb, weil wir angesichts verschiedener Bonner Koalitionsmöglichkeiten nicht nur unsere eigene Meinung vertreten, sondern auch die der anderen getreulich verzeichnet haben.