Ausflugsfahrten in Autobussen an die Zonengrenze sind für viele hierzulande beliebte Sonntagsvergnügen. Werner Sonntag notierte, was der Chauffeur des Busses auf einer solchen Fahrt zu berichten hatte.

Wir fahren zur Zonengrenze hinauf – Sie wissen ja.“

„Dies war die Hauptstrecke nach Erfurt. Das zweite Gleis ist rausgerissen, weil die Bahn nur noch bis Mellrichstadt geht. Schlechter Boden hier – Sie sehen ja. Große Bauern gibt’s hier nicht. Die Hauptlast der Landwirtschaft liegt meist auf den Frauen. Hier der Bauer ist ausgesiedelt aus dem Zonengrenzgebiet. Dem seine Felder liegen alle drüben. Die haben sie ihm abgekauft. Die Herrschaften haben umgerechnet nach unserm Gelde für den Quadratmeter drei Pfennig bekommen. Ich könnte Ihnen hier schon die Zonengrenze zeigen; aber es ist zu neblig.“

„Nun, meine Damen und Herren, ich weiß nicht, wie Sie sich das vorstellen an der Zonengrenze. Sie sehen gar nichts. Rispengras, umgepflügter Acker, Stacheldraht und ein paar Wachttürme. Zwei der Herrschaften sind in dem Turm drin, die andern sind hinten zur Ablösung. So wie Sie hier im Autobus an die Zonengrenze fahren, das gibt es drüben nicht. Diese Herrschaften werden drüben bewacht, damit sie nicht stiften gehen. In den Dörfern die Landwirtschaft, wo ihnen selbst gehört hat, mußten sie abtreten. Wir haben ganz in der Nähe eine große Staatskolchose, die von Frauen geführt wird.“

„Wenn wir nachher an der Zonengrenze aussteigen, und die Polizei ist da, können Sie die ohne weiteres fragen. Und wer kein Fernglas hat, kann den Polizisten fragen; er gibt’s Ihnen gern. – Die Straße nach Breitensee endet an dem weißen Schild, was Sie dort sehen; da steht oben: Achtung, Sowjetzonengebiet. Die Straße mußte neu gebaut werden, damit man da lang fahren kann.“

Eine Dame: „Hier möchte ich nicht wohnen.“ „Überall ist’s schön, wo die Heimat ist. Sie wissen ja selber, wenn Sie Grenzbewohner sind, wie das im Grenzgebiet ist. Sie haben ja sicher selbst unser Elsaß gesehen. – In den Neubauten dort am Hang, da ist die Bundeswehr drin, also – hä, hä – die russische Bundeswehr. Wir fahren noch ran an den Stacheldraht, da steigen wir sowieso mal aus. Ich hoffe, daß einige unserer Herren da sind.“

„Also wir haben’s heute nicht mit Kindern zu tun, sondern mit erwachsenen Leuten. Die weißgelben Pfähle sind bereits die Grenze. Die dürfen Sie keinesfalls überschreiten. Und, glauben Sie mir, wenn dann von dort geschossen wird, unsere Polizei schießt nicht. Das muß dann so bereinigt werden. Also, jetzt steigen Sie aus.“