Eine Dummheit macht jeder. Erst wer die gleiche Dummheit zum zweitenmal macht, ist wirklich dumm.

Nach dieser alten Hausregel darf man der bayerischen FDP ein gerüttelt unbayerisch Maß an Dummheit bescheinigen.

Bei den Landtagswahlen 1962 hatte man Hildegard Hamm-Brücher, die den Funktionären oft zu klug und zu aufrichtig und manchen „zu weit links“ war, zur Strafe auf den hoffnungslosen Platz 17 der oberbayerischen Liste verbannt. Aber die Wähler (die ja durch ihre Zweitstimmen in Bayern die parteiamtlich dekretierte Liste korrigieren können) hoben sie auf Platz 1, nachdem ein Bürgerkomitee von Professoren und Honoratioren ihr tatkräftig Wahlhilfe geleistet hatte: Sie gaben ihr fast 43 000 von den rund 90 000 Zweitstimmen der FDP. Mit Triumph zog Frau Dr. Hamm-Brücher zum drittenmal in den Bayerischen Landtag ein.

Was hätte nun eine kluge Parteiführung getan, die frei genug gewesen wäre, auch einer so unabhängigen, zuweilen sicher unbequemen Frau den Respekt zu zollen, der ihr gebührt?

Sie hätte diesen Stimmenmagneten dort eingesetzt, wo es drauf ankam: in Mittelfranken – wenn nicht auf Platz 1 (der gebührte dem bayerischen Parteichef, Ordnung muß sein), so doch auf Platz 2. Und sie hätte mit allen irgend mobilisierbaren Kräften ihr den Wahlkampf erleichtert.

Statt dessen mußte Frau Hamm-Brücher einen handgestrickten Wahlkampf auf eigene Kosten führen, wurde auf Platz 3 gesetzt, und das in Oberbayern, wo an ein Überspringen der Zehn-Prozent-Hürde gar nicht zu denken war. Nicht für die FDP. Frau Hamm-Brücher allein kam lässig darüber, gewann in ihrem Stimmkreis 13,3 Prozent. Und im Wahlkreis Oberbayern stimmten 58 500 für sie, 31 500 für die restlichen 49 (neunundvierzig) Kandidaten der FDP.

Das Ergebnis: Frau Hamm-Brücher packt ihre Sachen. Nach sechzehnjähriger Arbeit für einen Landtag, in dem sie als Kulturpolitikerin weit über die Grenzen Bayerns, auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus bekannt wurde, muß sie jetzt ausziehen aus dem Maximilianeum. Statt ihrer ziehen vom Wahlkreis Oberbayern drei NPD-Abgeordnete ein, die zusammen noch nicht halb so viele Stimmen haben wie die FDP-Politikerin.