Wenn der Bürger an die Schweiz denkt, sostehen ihm gewöhnlich schneegekrönte Berge, blumige Almen und verträumte Seen vor den Augen. Für den Finanzmann aber verbindet sich der Gedanke an die Schweiz spontan mit den Begriffen „heißes Geld“, Bankgeheimnis und Steuerasyl.

Über das Geld von Gerechten wie von Ungerechten breitet das Schweizer Bankgeheimnis seinen schützenden Mantel aus. Durch das am 8. November 1934 erlassene „Bundesgesetz über Banken und Sparkassen“ ist die Verletzung des Bankgeheimnisses für jedermann bei einer Höchststrafe von 20 000 Franken oder sechs Monaten Gefängnis, oder beidem, verboten. Gewiß können die Gerichte den Schleier lüften, aber das kommt nur ganz selten vor.

Der größte auf einem politischen Namen lautende Betrag, der je in die Schweizer Banktresore geflossen ist, kam aus einer sehr dunklen Quelle. Während jahrzehntelanger Gewaltherrschaft hatte der dominikanische „Generalissimo“ Rafael Leonidas Trujillo seinem armen Land unzählige Millionen abgepreßt, die er ins Ausland brachte. Es sollen insgesamt 250 Millionen Dollar gewesen sein, doch scheint diese Zahl sehr hoch gegriffen.

Fest steht dagegen, daß nach dem Tode Trujillos – er wurde im Frühjahr 1961 ermordet – aus seinem Nachlaß 44,7 Millionen Dollar durch die Vermittlung des Schweizerischen Bankvereins in die Schweiz flossen. Dieses Geld war von dem Diktator ursprünglich in den USA angelegt worden, doch fürchteten die Erben, daß es von der neuen dominikanischen Regierung beschlagnahmt werden könnte, und daß Washington die Herausgabe verfügen würde. In der Schweiz, so meinten die Erben, würde das Vermögen sicher sein. Doch sie täuschten sich.

Nach dem Tod des Diktators war Trujillos Witwe Maria nach Madrid geflüchtet, wohin sich auch Sohn Ramfis und andere „legitime“ Kinder begaben.

In Madrid lernte die Trujillo-Clique einen Geschäftsmann namens Julio Muñoz kennen, der über ausgezeichnete Verbindungen zu höchsten Kreisen verfügte. Der heute 48jährige Katalonier, von Hause aus Textilfabrikant, hatte eine Tochter des Präsidenten des Banco Central, Marques de Villalonga, geheiratet und sich dadurch Eingang bei Generalissimo Franco verschafft.

Mit dem Kredit des Schwiegervaters gelang es Muñoz, einen bedeutenden Textilkonzern aufzuziehen, doch stürzte er sich bald in spekulative Abenteuer, die ihn, in Verbindung mit einem üppigen Leben, bald an den Rand des Ruins brachten. Mit Müh und Not konnte der Marques das Schlimmste abwenden, doch durfte der Schwiegersohn nicht länger im Lande bleiben. Infolgedessen verließ Muñoz 1959 die Heimat, um sich im Ausland – hauptsächlich in der Schweiz – niederzulassen. Dort knüpfte er zahlreiche neue Verbindungen zu Bankkreisen und Finanzleuten.