Von Joachim Fink

Steinbach (Odenwald)

Wer auf das Konto 4634 der Kreissparkasse Erbach zwei Deutsche Mark einzahlt, ist Mitglied von Deutschlands neuester und modernster Partei. Gleichzeitig jedoch besitzt er damit ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung für den Fall, daß er und seine Familie einst am Hungertuch nagen sollten.

Diese bislang einmalige Verbindung von Politik und Katastrophenversicherung glückte der MPD. Sie ist kein Druckfehler, sondern wurde in monatelangen Theken-Gesprächen im „Gasthaus zur Linde“ des Odenwalddorfes Steinbach geboren, um einem offensichtlichen Bedürfnis im politischen Leben der Bundesrepublik zu genügen. Wer darüber lediglich in hämisches Grinsen verfällt, kennt die Bundesrepublik nicht. Die „Mittelstandspartei Deutschlands“ (MPD) hat in drei Wochen ihres Bestehens im bundesdeutschen Südwesten über 500 zahlende Mitglieder geworben.

Wie fast alle großen Dinge, begann es mit sieben Mann und durch Zufall. Heinrich Muckel (48), Lehrbuchautor und reisender Geschäftsmann aus Frankenthal in der Pfalz, pflegte auf seinen Reisen häufig im „Gasthaus zur Linde“ (nebst Metzgerei) des 42jährigen SPD-Mitglieds Herbert Habermann in Steinbach abzusteigen. Man sprach, man trank, man diskutierte. Wie es so kommt, bald waren sie sieben, gründeten eine Partei, Muckel wurde erster und Habermann zweiter Vorsitzender.

Die Frucht der Theken-Debatten fand in einem 14-Punkte-Programm ihren Ausdruck, das auf bisher rund 10 000 Flugblättern von Mannheim, Mainz, Frankfurt, Weinheim bis ins Ruhrgebiet unter die Leute gebracht wurde.

Die 14 Punkte sind eine Art Weihnachtswunschzettel des kleinen Moritz. Das fängt bei „Garantie auf Erhaltung des Arbeitsplatzes“ an, geht über „Überstunden steuerfrei“ (frei nach der FDP), „Kindergeld von dem ersten Kind an“ (so frech war noch kein anderer), „Verteilung des Sozialproduktes auf die breite Masse unseres Volkes“, „wirtschaftlichen Zusammenschluß aller mittelständigen Betriebe und Geschäfte“ bis zu „höchste Leistungskapazität der Industrie“ und „Handels- und Wirtschaftspolitik mit allen Völkern der Erde“.