Als einen „Markstein in der deutschen Nachkriegsgeschichte“ feierten Kurt Georg Kiesinger und Herbert Wehner die Entscheidung ihrer Parteien für die Große Koalition, die am Wochenende in Bonn aus der Taufe gehoben wurde. Siebzehn Jahre lang hatten die Sozialdemokraten in Bonn vor den Toren zur Macht ausharren müssen, seit 36 Jahren war die SPD von der Regierungsverantwortung für Deutschland ausgeschlossen.

Auch nach der Grundsatzentscheidung der beiden Bundestagsfraktionen war die Verteilung der Macht noch heftig umstritten. Verschiedene Auflagen erschwerten die Regierungsbildung: Kiesinger hatte schon vorher dem „Königmacher“ Strauß das Finanzministerium versprochen, die SPD bestand jedoch, eingedenk des Murrens in den unteren Parteirängen, auf einem „klärenden Wort“ des CSU-Vorsitzenden zur „Spiegel-Affäre“.

Da Willy Brandt auf Wunsch seiner Partei Außenminister werden sollte, blieb für Gerhard Schröcer als vergleichbares Ressort nur das Verteidigungsministerium übrig. So ergab sich für die SPD die Frage nach der Kompensation für Helmut Schmidt, dem beide Ministerien zugesagt hätten. Die CDU wiederum war besorgt, ein Ministerium für Wirtschaftsminister Schmücker zu retten, der vom SPD-Wirtschaftsexperten Schiller abgelöst werden sollte.