Aller Voraussicht nach wird das Börsenjahr 1966 für die Aktienbesitzer wieder mit Verlust abschließen. Die Aussichten, daß das Kursniveau am 31. Dezember höher liegen wird als zu Beginn des Jahres, sind gering. Nicht wenige Aktionäre werden geringere Vermögensteuern zu zahlen haben, denn der Wert des steuerpflichtigen Wertpapiervermögens richtet sich nach den Steuerkurswerten, die in etwa mit den Jahresschlußkursen übereinstimmen. Aber es gibt unter bestimmten Voraussetzungen auch Möglichkeiten, den Fiskus an den Kursverlusten über die Einkommen- und Körperschaftsteuer teilhaben zu lassen. Darüber wollen wir heute sprechen.

Pünktlich wie auch schon in den vorangegangenen Jahresenden „beglücken“ uns die Amerikaner wieder mit Verkäufen deutscher Aktien. Zwar ist der Rückfluß deutscher Papiere aus den USA in diesem Jahr niemals vollständig unterbrochen gewesen, aber er ging auf andere Motive zurück als die jetzigen Abgaben, die fast ausschließlich steuerlichen Charakter haben. Dank der beachtlichen Wall Street-Hausse bis Mitte des Jahres erzielten zahlreiche Amerikaner erhebliche steuerpflichtige Börsengewinne, die sie zu mildern versuchen, indem sie Aktien, die 1966 Verluste „einspielten“, verkaufen. Diese Verluste dürfen – wenn sie realisiert, das heißt die betreffenden Aktien veräußert worden sind – gegen die Gewinne aufgerechnet werden.

Ähnliche Chancen haben auch die deutschen Wertpapierbesitzer. Aber es muß deutlich unterschieden werden zwischen Aktien, die zum Privatvermögen und solche, die zu einem Betriebsvermögen gehören.

Nehmen wir zunächst einmal, meine verehrten Leser, „private“ Aktien. Durch sie erzielte Kursgewinne sind steuerfrei, wenn zwischen dem Erwerbs- und Verkaufszeitpunkt mehr als 6 Monate liegen. Nun werden Sie mir sicherlich vorhalten: „In der Einleitung spricht Securius von der negativen Jahresbilanz für Aktien und jetzt will er uns sagen, wie man Kursgewinne steuerlich vermindern kann.“ Nun, da ist kein zwingender Widerspruch. Schließlich hat es in diesem Jahr an der deutschen Börse auch einige Papiere gegeben, an denen sich kurzfristig viel verdienen ließ. Ich erinnere an die zweimalige Chance bei den Papieren der Deutschen Erdöl-AG und an die Lufthansa-Aktien.

Wenn Sie hier steuerpflichtige Kursgewinne verdienten, also auf die 6-Monats-Sperre keine Rücksicht nahmen, so können Sie die Gewinne vermindern, wenn Sie jetzt Papiere veräußern, auf denen Kursverluste lasten. Voraussetzung ist allerdings, daß die zu verkaufenden Aktien noch nicht 6 Monate in Ihrem Besitz sind. Wenn Sie also im September Aktien in der Annahme erwarben, daß in jenem Monat an der Börse der Wendepunkt erreicht war, so wird sich in vielen Fällen herausstellen, daß der damalige Erwerb bis zum heutigen Zeitpunkt ein Verlustgeschäft war. Hier finden Sie verkaufsfähige Papiere.

Nun brauchen Sie sich natürlich nicht für ewig von diesen Papieren zu trennen und sich damit vermutlicher Erholungschancen begeben. Schon wenn Sie die Papiere einen Tag später zurückerwerben, wird dadurch die steuermindernde Wirkung nicht aufgehoben. Selbstverständlich fallen durch dieses Hin und Her Spesen an, die den Vorgang belasten. Da jedoch für das Kreditinstitut die „Beratungstätigkeit“ entfällt, läßt es vielleicht mit sich handeln. Ob sich die Transaktion insgesamt lohnt, müssen Sie selbst ausrechnen.

Zum Betriebsvermögen gehörende Aktien werden zu den Jahresschlußkursen bilanziert, sofern ihr Einstandskurs nicht unter diesen liegt. Abschreibungen auf den Effektenbestand schmälern den steuerpflichtigen Gewinn. Wenn dennoch in den letzten Tagen Aktien aus Betriebsvermögen veräußert worden sind, so liegt diesem Vorgang die Erwartung zugrunde, daß sich die Aktienkurse bis zum Jahresschluß mehr oder weniger kräftig erholen werden. Werden Aktien aus dem Betriebsvermögen abgestoßen, die mit hohen Einstandskursen zu Buch stehen, dann ist auf alle Fälle der steuermindernde Verlust „sichergestellt“, auch wenn die Papiere sofort zurückgekauft worden sind. Sie werden dann mit dem neuen Einstandskurs bilanziert. Selbst wenn der Jahresschlußkurs über diesen liegen sollte (Wertpapiere brauchen nicht heraufgeschrieben zu werden), kann der Verlust im vollen Umfang steuermindernd gelten gemacht werden.