Im Dritten Reich war es verboten, weil es als Plutokratenspiel galt. Im Ostblock ist es verboten, weil es monopolkapitalistisch ist. Bei uns geht es heute weg wie die warmen Semmeln. In den Kaufhäusern findet man es stapelweise. „Monopoly“ nämlich. Man muß kein Nazi sein und kein Kommunist, um dies Spiel nicht zu mögen: es ist mir zu enthüllend. Nie hätte ich geglaubt, daß meine Frau so versessen auf Besitz ist. Ich möchte es auch meinen Kindern nicht in die Hand geben. Schließlich will ich mir keine kleinen Halsabschneider heranzüchten.

Dies jedoch bahnbrechende Spiel (DIE ZEIT, Nr. 8/1965) entschärft zu haben, ohne daß es zu sehr an Substanz eingebüßt hätte, ist dem Autor eines anderen Spieles gelungen: „Wie gehn die Geschäfte?“

Zur ewigen Rundbahn gesellt sich hier eine zweite, die man nur einmal durchlaufen muß, die „Lehrzeit“. Da heißt es sparen, und weil es für jeden zurückgelegten „Monat“ (Spielfeld) ein kleines Gehalt gibt, machen dem Handlungsgehilfen Zurücksetzungen gar nichts aus, er verdient ja munter weiter. Wer freilich zu sehr bummelt, wird die freie Wirtschaft schon recht abgegrast vorfinden. Der junge Kaufmann nämlich wird, auf den Markt losgelassen, sofort eines der vierundzwanzig zum Verkauf stehenden Geschäfte der „Unternehmerrunde“ erwerben, ein kleines natürlich, ein wohlfeiles.

Die Spielfelder sind teils rot, teils schwarz und bringen analog Vor- oder Nachteile mittels der entsprechenden Ereigniskarten. Sie sind sehr gut redigiert. Eine Fülle von Vorfällen wird einfallsreich ins Spiel bezogen, musterhaft geradezu, denn eben an diesem Punkt verläßt so manchen Erfinder die Phantasie. Da wird man durch Einheirat stiller Teilhaber, erbt ein Geschäft oder erhält Anteile eines Großunternehmens.

Berappt werden muß natürlich auch. Da sind zwei Felder, die den einheimsenden Inhaber gleich wieder erleichtern, denn da sind Miete, Zins und Steuern fällig. Wie man weiß, ist der Fiskus nicht eben pingelig; schon lange hält er statt der Hand den Schurz auf. Er pumpt auch nicht. Und wenn bloß fünfzig Mark fehlen – wo der Schuldner die hernimmt, ist ihm egal. Die Folge ist, daß es im Spiel zu Verkäufen kommt.

Man sieht, es gibt auch Pechvögel. Doch diesmal ist die Spielregel auf ihrer Seite: der Bankrotteur kriegt vom erfolgreichsten Kollegen ein Geschäft als Präsent. Gegenüber „Monopoly“ ist also „Wie gehn die Geschäfte?“ die reinste Heilsarmee.

Eine wesentlich einfachere Methode, zu Geld zu kommen, ist freilich diese: man gehe zur Bank, öffne den Tresor und entnehme seinen Inhalt. Wer da gleich an Schneidbrenner und Spezialkreissägen à la Rififi denkt, hat erst in zweiter Linie recht, denn schließlich öffnet sich so ein stählerner Gigant nahezu ganz von selber, weiß man die Chiffre. Beide Möglichkeiten bietet das graphisch sehr löblich gestaltete Spiel „Banco“.