Kaum hatte die Ehe zwischen dem deutschen Sektproduzenten SC Carstens-Reemtsma und dem größten Champagnerhersteller der Welt Moët et Chandon begonnen, da versuchte der Deutsche Sektverband in Wiesbaden, mit juristischen Mitteln die ersten deutsch-französischen Flaschen M. Chandon wieder vom Markt zu verbannen. Der neue Sekt, der unter der Beratung von Moët et Chandon in der Bundesrepublik hergestellt wird, sei zu französisch, argumentierte der Sektverband, und könnte bei den Konsumenten Verwirrung hervorrufen. In erster Instanz hatte der Sektverband Erfolg; in der Berufung entschieden die Richter zugunsten der neugegründeten Gesellschaft Chandon Deutsch-Französische Sektkellerei GmbH., Neustadt.

Worum geht es? SC Carstens hatte schon 1965 seinen Vorjahresabsatz um 25 Prozent auf 10 Millionen Flaschen steigern können. Während der gesamte Sektabsatz nur um 20 Prozent auf 144,3 Millionen Flaschen stieg. Mit Hilfe der Franzosen und einem Werbeetat von sechs Millionen Mark wollen sie jetzt auch in den oberen Sektklassen Fuß fassen. Von dem neuen Prestige-Sekt M. Chandon sollen zu Preisen zwischen 9,– und 10,50 Mark zuerst fünf Millionen Flaschen verkauft werden. In einer zweiten Etappe möchte Henri Francois-Poncet und der Graf Chandon de Briailles, die Väter der neuen Sektmarke, den Absatz von Champagner der Marke Moët et Chandon auf 250 000 Flaschen bringen und damit den ersten Platz auf dem deutschen Markt erobern.

Ob das gelingt, ist fraglich, denn das Jahr 1966 sieht für die Sektproduzenten nicht so rosig aus. Nach der Erhöhung der Sektsteuer im Januar sind viele Konsumenten von teuerem Markensekt zu billigerem Konsumsekt übergegangen.

Im Jahre 1965 wurden 1,6 Millionen Flaschen deutscher Sekt exportiert, davon nur 9300 Flaschen nach Frankreich. Eingeführt wurden 7,1 Millionen Flaschen Schaumwein, davon allein 6,8 Millionen Flaschen aus Frankreich. Die Champagnerhersteller verkauften 1,3 Millionen Flaschen in die Bundesrepublik.

Andere Champagnerhersteller wollen jetzt dem Beispiel von Chandon folgen und suchen schon in der Bundesrepublik einen Partner. glp