Mehrere Stunden lang schwebte Gefahr über der Bundesrepublik: Am vorigen Wochenende drohte plötzlich einer der zwei nördlichen NATO-Stützpfeiler einzustürzen. Nach Frankreich schien nun auch Dänemark aus dem Bündnis auszuscheren. Der Entschluß des dänischen Ministerpräsidenten Jens Otto Krag, lieber doch mit einem sozialdemokratischen Minderheitskabinett zu regieren als mit den Linkssozialisten zu koalieren, hat diese Gefahr zunächst, wenn auch nicht auf Dauer, abgewandt.

Immerhin hatte Krag bereits erwogen, für den Eintritt der Sozialistischen Volkspartei des Ex-Kommunistenführers Aksel Larsen erhebliche außenpolitische Konzessionen zu bieten:

  • bis 1969 Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zur NATO,
  • Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.

Aber Larsen wollte mehr:

  • Sofort Auszug Dänemarks aus dem deutsch-dänischen Ostseekommando,
  • Kürzung des Wehretats von 1,1 Millionen Mark um ein Drittel und
  • Kürzung der sechzehnmonatigen Wehrpflicht.

Hätte sich Krag auf eine solche Kursänderung, eingelassen, würde ihm ein Teil der Partei, die Gefolgschaft versagt haben. Verteidigungsminister Victor Gram und zwei andere Minister drohten mit ihrem Rücktritt. Für die Aufnahme der Volkspartei – des eigentlichen Siegers bei den Neuwahlen Anfang voriger Woche – hatten vor allem die Gewerkschaften gestimmt, die der Regierung Krag harte Arbeitskämpfe ersparen möchten.

Innenpolitisch kamen sich die beiden Linksparteien ziemlich nahe. Mit Hilfe der Linkssozialisten kann jetzt Krag seine Steuerreform durchsetzen. In der auswärtigen Politik verläßt er sich auf die Stimmen der Bürgerlichen. Um Zweifel an der Zuverlässigkeit Dänemarks auszuräumen, übernahm er selbst die Außenpolitik und berief als Stellvertreter den früheren Kultusminister Hans Soelvhoej, dessen Sympathien für NATO, EWG und Bonn bekannt sind.