Als Präsident Kennedy der nichtkommunistischen Welt den großen Abbau der Zollmauern vorschlug, beantwortete er damit die „Herausforderung“ der damals noch dynamischen EWG. Mit dem Zollabbau zwischen allen Völkern, die Mitglieder des „Allgemeinen Zoll und Handelsabkommens“ (GATT) sind, sollten die den Handel behindernden Barrieren um die Hälfte herabgedrückt werden.

Seit rund zweieinhalb Jahren wird in der Genfer „Kennedy-Runde“ darum gerungen. Am 30. November sollten eigentlich alle beteiligten Staaten, darunter als Einheit die Sechser-Gemeinschaft der EWG, in diesem internationalen Turnier des Feilschens ihre „Angebote“ unterbreiten.

Doch in der vergangenen Woche erwiesen sich alle EWG-Organe als handlungsunfähig. Den Plan der Hallstein-Kommission zur Befreiung und Ordnung des Welt-Zuckerhandels nannten alle sechs Regierungen mit Recht „unrealistisch“. Gegen Zollabbau für USA-Tabak sprachen sich – im Ministerrat, dem anderen EWG-Gremium – Frankreich und Italien mit Erfolg aus. Freiere Importe von Obst und Gemüse scheiterten ebenfalls an Rom. Die EWG ist von einem zugkräftigen Motor internationaler Zollbefreiung zu einem Hemmschuh geworden. Sie gefährdet den Erfolg der Kennedy-Runde. h. b.