Der jordanische König Hussein durchstand in den letzten Tagen die schwerste Krise seiner 14jährigen Herrschaft. Die größeren Städte westlich des Jordans und der arabische Teil Jerusalems standen in hellem Aufruhr. Zehntausende von arabischen Palästina-Flüchtlingen demonstrierten gegen den König und seine Regierung, weil sie den israelischen Vergeltungsschlag gegen das Grenzdorf Samu am 13. November nicht hatten verhindern können. Nur mit Hilfe seiner treu ergebenen Beduinenkrieger von der Arabischen Legion konnte, sich der 31jährige Monarch auf dem Thron halten.

Im westlichen Teil seines Reiches, das 1948 im Kampf gegen die Israelis von der Arabischen Legion erobert wurde, leben etwa 500 000 Flüchtlinge, seit Jahren eine ständige Bedrohung für die Haschemiten-Dynastie.

Viele sind für die Revolutionsideen Nassers anfällig. Sie verübeln es dem Monarchen, daß er der palästinensischen Befreiungsarmee Ahmed el-Schukeiris, die in Ägypten aufgestellt wurde, das Betreten Jordaniens verboten hat. Hussein befürchtete nicht zu Unrecht, daß diese Armee weniger dazu dienen soll, die Israelis ins Meer zu jagen, als vielmehr seine Dynastie zu stürzen.

Als der König vorige Woche das Angebot Schukeiris ausschlug, der ihm mit 10 000 Soldaten zu Hilfe eilen wollte, und statt dessen König Feisal von Saudi-Arabien um Beistand bat, war das Maß voll. In Radio-Botschaften forderte Schukeiri von Kairo aus ultimativ den Rücktritt aller jordanischen Minister und befahl der Polizei und Armee in Jordanien den Ungehorsam gegen den König. Gleichzeitig rief Radio Damaskus offen zum Sturz des Königs auf. Blutige Unruhen in West-Jordanien waren die Folge.