Unser Kritiker sah:

„HALLO, DOLLY!“

Musical nach Thornton Wilder

Buch: Michael Stewart, Musik: Jerry Herman

Düsseldorfer Schauspielhaus

Nach „My Fair Lady“ aus London durfte man dem jüngsten Import vom New Yorker Broadway mit gemischten Erwartungen entgegensehen: Auch „Hallo, Dolly!“ ist literarisch vorbelastet. Um so größer war bei der deutschen Erstaufführung die Überraschung. Shaws „Pygmalion“ ist durch die Musicalisierung ausgelaugt worden. Wilders „Heiratsvermittlerin“ hingegen wurde durch moderne Bühnenmittel dorthin zurückversetzt, wo der Amerikaner seinen Stoff in Wien gefunden hatte: in die „Posse, mit Gesang“ (so titulierte Johann Nestroy seinen Biedermeier-Ulk „Einen Jux will er sich machen“).

Eigentlich hätte die deutsche Premiere am 11. 11. um 11.11 Uhr stattfinden müssen. Aber auch am Abend des 26. hatte, ein rheinisches Premierenpublikum nach zehn Minuten begriffen, daß im Düsseldorfer Schauspielhaus quasi des Hoppediz’ Erwachen gefeiert wurde: Anbruch des Karnevals. Szenenapplaus gab’s schon für den grotesken, ersten Chorauftritt. Szenenapplaus für die auf- und niederschwebenden, hin- und herfahrenden Dekorationen Jean-Pierre Ponnelles. „Bravo“-Chöre, als die ersten Schlagerlieder ertönten. Nach einer Viertelstunde herrschte Euphorie diesseits und jenseits der Bühnenrampe. Jubel, Trubel, Heiterkeit hielten über eine kurze Durststrecke nach der Pause hinweg bis zum ’Schluß an. Es war ein Bombenerfolg.