Franz Meyers, Ministerpräsident auf Abruf, war nie ein Kind von Traurigkeit. Aber seit dem 10. Juli, dem Tag der für die CDU so enttäuschend verlaufenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hatte er das Lachen verlernt. Erst jetzt, da er sich rüstet, die Residenz am Düsseldorfer Mannesmann-Ufer zu räumen, strahlt er wieder über alle Backen. Und er läßt wieder mit sich reden ...

„Dies ist das erste längere Interview, auf das Sie sich nach der Wahlnacht einlassen. Wird es auch ihr letztes sein?“

„Mein letztes... als Ministerpräsident dieses Landes unter den gegenwärtig gegebenen Verhältnissen.“

„Fühlen Sie sich in der Stunde Ihres planmäßigen Rückzugs von ihren Freunden schlecht, korrekt oder gut behandelt?“

„Ich fühle mich von meinen Freunden gut behandelt. Es ist in diesen Tagen nichts geschehen ohne mein Wissen oder gegen meinen Willen, manches aber geschah nach meinem Wunsch und auf meinen Rat. Ich hatte mich auch nicht solcher Freunde zu erwehren, die bei ihrer politischen Aktivität weniger an die Sache als an sich selber denken.“

„Die Möglichkeiten ihres Verhaltens wollten Sie unabhängig machen von den Ereignissen der Koalitionsgespräche.“

„Auch die Ergebnisse der Bonner Koalitionsgespräche werden auf mein Verhalten nicht ohne Einfluß bleiben. Ich werde nur dann aus freiem Entschluß meinen Rücktritt erklären, wenn in Düsseldorf und Bonn die gleiche Koalition zustande kommt: eine große. Nach Lage der Dinge halte ich für den Bund und für das Land an Rhein und Ruhr diese Lösung für die beste, wenn sie auf beiden Ebenen verwirklicht wird. Sollten sich aber die Sozialdemokraten mit den Freien Demokraten zusammentun, müßte man mich abwählen.“