Australien und Neuseeland haben am letzten Wochenende für Präsident Johnson und für die bewaffnete amerikanische Interventionspolitik in Vietnam demonstriert. Beide Länder haben damit ihr beschauliches Dasein, das sie bisher führten, offiziell aufgegeben. Sie haben sich für eine aktive Beteiligung an der Weltpolitik ausgesprochen und sich bereit erklärt, auch die Kosten dafür zu bezahlen. Das ist die Bedeutung des Ergebnisses der Parlamentswahlen in den beiden Ländern.

Es war reiner Zufall, daß die Wahlen in den beiden einzigen weißen Staaten im Pazifik am selben Tage stattfanden. Aber es war ein passender Zufall. Denn in beiden ging es um die Entscheidung derselben Frage: Distanzierung oder Identifizierung mit dem Vorgehen der Amerikaner in Vietnam, Teilnahme an der Weltpolitik oder Isolierung?

Bisher hatte man sich in beiden Ländern stets für die Isolierung entschieden. Das ließen schon die Themen der Wahlkämpfe erkennen, Man stritt sonst über die bedrohliche Vermehrung der Känguruhs oder das gefährliche Absinken der Woll- und Butterpreise. Bei den Wahlen am 26. November dagegen ging es in beiden Staaten fast ausschließlich um Vietnam. Und in beiden Staaten bestätigten die Wähler ihre bisherigen konservativen Regierungen und billigten damit ausdrücklich die Beteiligung ihrer Länder an der militärischen Auseinandersetzung in Asien.

Der australische Premierminister Harold Holt hat in seinem neuen Parlament eine Mehrheit von dreißig Sitzen, das ist mehr, als sein großer Vorgänger Menzies jemals erreichte; die australische Labour Party verlor sechs von ihren bisher 52 Sitzen und erlitt damit die schwerste ihrer vielen Niederlagen in den letzten Jahrzehnten. Die „Nationale Partei“ des neuseeländischen Premierministers Holyoke verlor zwar einen Sitz, verfügt aber mit 44 von insgesamt 80 Abgeordneten noch immer über eine sichere Mehrheit.

Der Unterschied im Ausmaß des konservativen Wahlerfolgs in den beiden Ländern hat in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Australien erlebt zur Zeit Dank der riesigen Rohstoffvorkommen, die man in den letzten Jahren gefunden hat, und Dank seiner raschen Industrialisierung einen wirtschaftlichen Boom. Das steigert die Zufriedenheit vieler Wähler mit ihrer bisherigen Regierung.

Neuseeland dagegen, das kaum Industrie besitzt, ist nach Schweden der am weitesten entwickelte Wohlfahrtsstaat der Welt und hat ernste finanzielle Sorgen. Vor allem der chronische Mangel an Devisen beeinträchtigte die Popularität der bisherigen konservativen Regierung. Aber den Wahlsieg der Konservativen konnte das nicht verhindern.

Worum es bei dieser Wahl in beiden Ländern ging, erläuterte der australische Premierminister auf einer Versammlung in Brisbane: „Wir sind Nachbarn Asiens. Deshalb können wir uns nicht von Asien distanzieren. Das ist manchmal unbequem. Aber erwachsen zu werden, ist fast immer unbequem. Und wir sind erwachsen geworden. Wir können uns heute nicht mehr wie früher an Englands Rockschöße hängen; wir müssen selber etwas tun. Denn wenn man uns eines Tages angreifen sollte, müssen wir uns verteidigen. Und dafür brauchen wir Alliierte, die in der Lage und bereit sind, uns zu helfen, weil wir ihnen helfen.“ Australien und Neuseeland haben ihre Truppenkontingente in Vietnam erheblich erhöht. Australien schickt sogar, erstmals inseiner Geschichte, eingezogene Rekruten in den Krieg.