Hamburg

Kapitän und Schiff lagen im Krankenhaus, als die Experten die Diagnose stellten. In Abwesenheit von Kapitän Langloff, der sich einer Operation unterziehen mußte, fällte das Seeamt am Donnerstag letzter Woche nach zweitägiger Untersuchung seinen Spruch über den Brand auf dem Hamburger Postkartenschiff „Hanseatic“, das zur selben Zeit im Nebel am Werftkai seir.em weiteren Schicksal entgegensah. Es sollte sich ebenfalls an diesem Tag entscheiden.

Zunächst faßte Seeamtsdirektor Knaack das Geschehen noch einmal zusammen: „Am 7. September 1966 gegen 7.30 Uhr ist auf dem Fahrgastschiff ‚Hanseatic‘ im Hafen von New York ein Feuer im Dieselgeneratorenraum ausgebrochen, das erheblichen Umfang angenommen hat. Die Dieselgeneratorenanlage ist völlig zerstört vorden, die gesamte Maschinenanlage ist ausgefallen. Der Brand ist von der New Yorker Feuerwehr unter Kontrolle gebracht und gegen 16 Uhr gelöscht worden. Das manövrierunfähige Schiff ist im Oktober nach Hamburg geschleppt vorden.“

Das Geschehen an Bord des Schiffes während des achtstündigen Brandes hatte die Kommission nach den Aussagen führender Besatzungsmitglieder rekonstruiert. Dabei konnte die Ursache des Feuers mit größter Wahrscheinlichkeit geklärt werden. Das Seeamt: „Das Feuer ist dadurch entstanden, daß aus einer undicht gewordenen Brennstoffleitung an der vierten Dieselmaschine Dieselkraftstoff versprüht ist und sich an heißen Motorenteilen entzündet hat.“

Eine solche technische Panne war, wie man verschiedenen Aussagen entnehmen konnte, auf der „Hanseatic“ nicht ungewöhnlich. Schon öfter waren Brennstoffleitungen gebrochen; deshalb war im Laufe der Jahre ein Teil der Kupferrohre durch Plasticleitungen ersetzt worden. Denn. die Installationen an Bord sind ebenso alt wie das Schiff selbst, das bereits vor 36 Jahren in Dienst gestellt wurde.

Diese Diskrepanz zwischen dem noblen Äußeren der „schönen Hamburgerin“ und seinem Inneren, vor allem ihren technischen Mängeln, war im Laufe der Untersuchung immer mehr hervorgetreten. Ein Besatzungsmitglied sagte bei anderer Gelegenheit: „In. Zukunft würden wir es schwer haben, New York anlaufen zu dürfen. Bisher hat uns die Sicherheitsbehörde der Küstenwache immer alles abgenommen, denn deutsche Schiffe gelten drüben als ordentlich und sauber. Mit viel Farbe haben wir diesen Eindruck aufrechterhalten können. Doch kaum hatten die Sicherheitsbeamten das Schiff wieder verlassen, da waren die Risse oft schon wieder zu sehen.“

Die Häufigkeit kleiner technischer Ausfälle mag mit dazu beigetragen haben, daß nicht sofort mit allen verfügbaren Mitteln gegen das Feuer vorgegangen wurde, zumal dann, als die Ingenieure endlich feststellten, warum das Feuer sich immer weiter ausbreitete. Es wurde von nachlaufendem Öl aus dem Tagestank über der Maschine ständig genährt – ein Ventil war falsch eingestellt. Technische Unzulänglichkeit und die Ungunst der Umstände sind nach Ansicht des Seemates die Ursachen, warum der Brand einen größeren Umfang annehmen und einen Schaden von zwölf Millionen Mark anrichten konnte: