In Frankreich mußte der holländische Philips-Konzern eine Niederlage einstecken, nun versucht er in England seine Marktstellung auszubauen. Die Übernahme der französischen Glühlampenfirma Claude Paz et Visseaux durch Philips ist gescheitert: der amerikanische Konkurrent ITT (International Telephone & Telegraph Company), dessen Aufkäufe den Kurs der Visseaux-Aktien innerhalb eines Monats verdoppelten, konnte sich die Aktienmehrheit sichern. ITT will die französische Firma zum führenden Glühlampenproduzenten innerhalb der EWG ausbauen.

Philips (mit einem Jahresumsatz von 8,4 Milliarden Mark Europas größter Elektrokonzern) versucht inzwischen in England, den Amerikanern zuvorzukommen. Ein Angebot an die Aktionäre der Elektronikfirma Pye, die Aktien zum Preis von acht Shilling zu übernehmen (Kurs vor dem Angebot knapp über sechs Shilling), soll den Holländern für rund 110 Millionen 51 Prozent des Aktienkapitals bringen. Gefürchtete Konkurrenz im Kauf um Pye: Englands größter Fernsehproduzent Thorn und der amerikanische Konzern RCA.

110 Millionen Mark für die Hälfte des Aktienkapitals sind viel für eine Firma, die geschäftliche Rückschläge erlitten und weit über 200 Millionen Mark kurzfristige Schulden hat. Aber: die Produktionsanlagen von Pye sind für das beginnende Farbfernsehgeschäft interessant. Mit Pye könnte Philips auf einen Marktanteil von 30 Prozent kommen und damit zu „Englands Nummer 1“ Thorn aufrücken. 1968 dürften zwar erst 50 000 Farbfernsehgeräte in Großbritannien abgesetzt werden, 1972 aber bereits 500 000 Geräte. RCA-Chef Sarnoff sagt voraus, daß in Europa ab 1970 jährlich 3,5 bis 4,5 Milliarden Mark im Farbfernsehgeschäft umgesetzt werden. Philips muß also befürchten, auch bei Pye durch ein höheres Kaufangebot der Amerikaner aus dem Feld geschlagen zu werden. merc.