Das 250 SE Coupé von Mercedes-Benz ist eine technische Weiterentwicklung des bekannten 220 SE Coupés. Der Motor ist (um 30) auf 150 PS verstärkt, die Umdrehungszahl von 5000 auf 5500 erhöht worden. Das neue Coupé erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 190 Stundenkilometer gegenüber 170 des Vorgängers. Was beim Vorgänger die Höchstgeschwindigkeit war, ist jetzt als günstige Reisegeschwindigkeit zu betrachten. Das heißt nicht, das neue Coupé dürfe nicht über lange Strecken mit 180 oder gar 190 Stundenkilometer gejagt werden. Der Einspritzer ist auf diese Geschwindigkeit geeicht. Wir sind sogar 200 gefahren, ohne daß der Motor es verübelt hätte; Der Umdrehungszeiger stand bei dieser Geschwindigkeit auf annähernd 6000. Eine weitere. Verbesserung an diesem Mercedes-Coupé sind die Scheibenbremsen jetzt an allen vier Rädern, die über ein Bremsdruck-Regelventil eine gleichmäßige Bremskraftverteilung und damit exakte Bremsung garantieren. Eine Bremsprobe bei einer Geschwindigkeit von 130 auf trockener Asphaltstraße in einer langgestreckten Biegung ergab: Der Wagen rührte sich trotz scharfen Bremsens nicht aus der Spur.

Es gibt auf dem Automobilmarkt Autos, bei denen man nicht weiß, ob sie bei hohen Geschwindigkeiten auch wirklich noch sicher sind. Der harte Konkurrenzkampf in der Kraftfahrzeugindustrie läßt oftmals – so will uns scheinen – die Geschwindigkeit vor der Sicherheit rangieren. Aber: Nicht alle Fahrer haben das Gefühl für noch tragbare Geschwindigkeiten, die sie ihren Fahrzeugen auf den verschiedenen Straßendecken zumuten können. Viele verlassen sich darauf: Wenn das Werk ein schnelles Auto baut, dann wird schon alles in Ordnung sein. Dazu ein Beispiel.

Auf dem ältesten Abschnitt der Autobahn Hamburg–Lübeck gingen wir wegen der unebenen und holperigen Straßendecke mit der Geschwindigkeit auf 150 Stundenkilometer zurück. Da überholte uns mit letzter Kraft ein Auto der 1,5-Literklasse, dessen Leergewicht etwa halb so groß ist wie das des Mercedes-Coupes. Am Steuer dieses Autos saß ein etwa Zwanzigjähriger, offenbar vom Geschwindigkeitsrausch gepackt. Er erschien uns in seinem hüpfenden Vehikel wie ein moderner Erlkönig. Hier bekam ein verantwortungsloser Neuling ein Auto in die Hand, dessen Gesamtkonstruktion für so hohe Geschwindigkeiten nicht geeignet ist. Das Herstellungswerk trifft eine gewisse Schuld. Im Prospekt jenes Typs ist eine Höchstgeschwindigkeit von weniger als 140 angegeben. Die Motoren sind aber durchweg schneller.

Der Mercedes 250 SE ist natürlich ein temperamentvolles Auto. Der Gesamtbau des Wagens ist auf hohe Geschwindigkeiten getrimmt. Man hat bei 200 Stundenkilometer noch immer das beruhigende Gefühl, den Wagen fest in der Hand zu haben. Die bewährte Mercedes-Benz-Eingelenkpendelachse gleicht im Zusammenwirken mit der hydropneumatischen Ausgleichsfeder auch bei höherer Geschwindigkeit jede Unebenheit aus, ohne das Fahrzeug sonderlich zu strapazieren. Wir fuhren auf einem Feldweg mit tiefen Schlaglöchern. Resultat: Ein sanftes Klopfen immer in dem Augenblick, wenn ein Rad über ein Loch fuhr. Bei Beschleunigung wurde das Klopfen stärker.

Unser Wagen war mit der Mercedes-Benz-Automatik ausgestattet, die ja dafür sorgt, daß die Gangschaltungen im günstigsten Umdrehungsbereich erfolgen. Das heißt: Es gibt kein Abwürgen des Motors. Die Automatik ist unbedingt zuverlässig. Noch gehört die Automatik bei den Mittelklassewagen von Mercedes und damit auch bei dem 250-SE-Coupé zur Sonderausstattung und kostet 1400 Mark. Dasselbe gilt für die Servolenkung, die heute noch auf Wunsch eingebaut wird und 550 Mark kostet.

Unter allen Mercedes-Modellen gefällt das 250-SE-Coupé oder Cabriolet am besten. Die schöne Linienführung gibt dem Auto sportliche Eleganz. Die Innenausstattung ist gut durchdacht und bietet großen Komfort, doch glänzt sie wie die Wohnung eines Filmsternchens. Etwas zu viel Chrom. Für heiße Zonen ist sogar der Einbau einer Kühlanlage vorgesehen. Die bequemen Vordersitze lassen sich leicht nach vorn und hinten verschieben. Die wuchtigen Rückenlehnen sind verriegelbar und können stufenlos bis in die horizontale Lage verstellt werden. Der Handschuhkasten ist beleuchtet und verschließbar. Das Armaturenbrett ist beim Mercedes wirklich noch aus Edelholz. Knöpfe und Hebel befinden sich zwischen zwei oben und unten verlaufenden Polsterwülsten. Im Blickfeld oberhalb des Steuerrades sind Umdrehungsanzeiger und Tachometer, dazwischen Benzin-, Wassertemperatur-, Öldruck- und die üblichen Warnleuchten mit Blinkerkontrollen angebracht. Im beleuchteten Kofferraum können zwei Reserveräder – eins wird mitgeliefert – in Auswuchtungen verstaut werden. Der Benzintank faßt 82 Liter (sieben Liter als Reserve). Damit kann man 600 bis 700 Kilometer weit fahren.

Die 2,5-Liter-Maschine mit der „intermittierenden Saugrohreinspritzung“ gibt immer noch Anlaß zu kritischen Bemerkungen, hauptsächlich von Leuten, die keinen SE fahren. Es heißt da, die Einspritzanlage sei „zu empfindlich“, und „geht einmal etwas daran kaputt, dann findet man niemand, der es wieder reparieren kann. Der Wagen ist auf Mercedes-Spezialwerkstätten angewiesen...“ Merkwürdigerweise sind die Besitzer eines Wagens mit Einspritzmotor nicht dieser Meinung. Im Gegenteil. Sie loben den Motor wegen seiner Sparsamkeit und Zuverlässigkeit. Schließlich ist ja auch der Mercedes-Dieselmotor ein Einspritzer, dessen Einspritzanlage jedoch unter wesentlich höheren Temperaturen, also komplizierteren Bedingungen arbeiten muß. Dem Dieselmotor aber bescheinigt jedermann bereitwilligst, daß er außergewöhnlich strapazierfähig und zuverlässig ist. Es ist tatsächlich sensationell, wie wenig der überaus starke Einspritzer bei einigermaßen vernünftiger Fahrweise an Kraftstoff verbraucht: Bei 80 Stundenkilometer auf der Autobahn 9,5 Liter. DZ