Das jahrelang dahinvegetierende Mühlenkartell findet jetzt endlich die Beachtung, die es verdient. Im Gegensatz zu den ersten zehn Jahren seines Bestehens beherrscht es seit fast einem Jahr den Mehlmarkt. Und jetzt will das Kartell diese Position weidlich ausnützen. Ein halbes Jahr, bevor nach EWG-Beschluß die Getreidepreise in der Bundesrepublik gesenkt werden müssen, wollen die Mühlen flugs noch einmal die Preise erhöhen.

Das bringt sogar die Kragen der Bäcker zum Platzen. Bislang war es beim „Backgewerbe“ keineswegs üblich, höhere Mehlpreise unbedingt als störend zu empfinden. Sie boten vielmehr einen willkommenen Anlaß, seinerseits nicht nur die Brotpreise, sondern gleichfalls die Spannen heraufzusetzen. Inzwischen ist aber die Konkurrenz gewachsen und zugleich fürchten Bäcker, Konditoren, Mehlhändler und Brotindustrie gemeinsam die Konkurrenz aus den anderen EWG-Ländern, der bald keinerlei Zoll oder andere Handelsschranken mehr im Weg stehen werden.

Dementsprechend verlangen nunmehr die „Abnehmergruppen“, dem anstößigen Kartell der Müller und der Mühlenindustrie solle nun der Garaus gemacht werden. Damit hat das Bundeswirtschaftsministerium einen Anlaß, nach jahrelangem Zaudern jenen Beschluß zu fassen, der schon lange fällig gewesen wäre. Das Mühlenkartell sollte aufgelöst werden. Es existiert noch immer auf der Basis einer vorläufigen Erlaubnis als „Überläuferkartell“. Abgesehen davon, daß sein Zweck – die Rationalisierung der Mühlen – nach elf Jahren längst erreicht sein könnte, ist seine Existenz im Gemeinsamen Markt schon gar nicht mehr zu rechtfertigen. j. e.