Th. H., Hamburg

Böse Worte fielen in Hamburg, als Peter Ahrweiler die Hanseaten mit seinem Plan überraschte, Edeltannen als Weihnachtsbäume für 20 Mark zu verleihen und andere Tannen – gleich, ob klein oder groß, für den Einheitspreis von fünf Mark zu verkaufen. Bringt man den geliehenen Weihnachtsbaum, ohne Lametta und ohne Beschädigungen nach erfolgreicher Benutzung zurück, so bekommt man ein Drittel der Leihgebühr wieder, rund sieben Mark. Gegen diesen Plan reagierte der „Landesverband der ambulanten Gewerbetreibenden“, vertreten durch Fachgruppenleiter Paul Zierdt, sofort mit einer Kampfansage an den „begünstigten Caféhausbesitzer“:

„Er hat bestimmt keine Ahnung von Tannen und Fichten und glaubt, unter dem Deckmantel des Roten Kreuzes seinen Einfallsreichtum zum eigenen Vermögensvorteil gestalten zu können“, ließ er wissen.

Ahrweiler, der im letzten Sommer für Hamburg das Boulevard-Café neu erfand, konterte: „Ich habe seit 1961 auf meinem drei Hektar großen Grundstück im Segeberger Forst 40 000 Blautannen gepflanzt und habe den Verleih von eingetopften Edeltannen vergangene Weihnachten schon im Freundes- und Bekanntenkreis erprobt. Es klappt sehr schön. Ein Drittel der Bäume zieht es zwar vor einzugehen, aber die anderen suchen wieder eine innige Verbindung zur Erde (wenn man sie nach Weihnachten wieder einpflanzt) und wachsen für Ahrweiler.“

Ein Weihnachtsbaumhändler, der alljährlich an Hamburgs Renommierstraße, dem Jungfernstieg, verkauft und nun zwangsläufig Ahrweilers Nachbar wird, wünscht keine Reibereien. „Ich verkaufe eine andere Preisklasse“, sagte er, „meine Bäume kosten im Einkauf zwischen, zwölf und dreißig Mark, da kann ich über Fünf-Mark-Bäume überhaupt nicht reden“.

Peter Ahrweiler, der inzwischen mit seinem Vorhaben in amerikanischen Zeitungen zitiert wird, fand beim Jugend-Rot-Kreuz der Hansestadt freiwillige Hilfsverkäufer, die hier hoffen, ihre knappe Rot-Kreuz-Kasse am Geldsegen des Weihnächtsgechäftes partipizieren zu lassen. Von den Weihnachtsbaumhändlern dagegen hat ihn noch keiner – weder offiziell noch inoffiziell – angesprochen. „Ich habe auch noch keine Drohbriefe bekommen“, sagt er und versichert, daß es keineswegs seine Absicht war, „mit Weihnachtstannen Baumhändler auf die Palme zu bringen“. Aber er bestreitet auch entschieden, daß man die Bäume so teuer einkaufen und verkaufen müsse: „Ich bekomme die schönsten Tannen für ein bis zwei Mark.“

Über den Preis aber sind die organisierten Weihnachtsbaumhändler nicht bereit zu diskutieren. „Bei uns ist dafür auch jeder Baum seit August einzeln ausgesucht“, versichern sie. „Vor einer Konkurrenz mit so billigem Material, wie es Herr Ahrweiler auf den Jungfernstieg wirft, haben wir keine Angst.“ Das einzige, was sie fürchten: „Daß die Neugierde viele Hamburger zu Ahrweilers Rummel treiben wird. Das konnte uns in diesem Jahr zu schaffen machen, denn zwei Bäume kauft ja niemand. Wird es aber zu doll, dann machen wir einen Weihnachtsmarkt auf dem Hamburger Fischmarkt auf. Dann werden wir ja sehen, wer mehr verkauft. Im übrigen: Am 24. Dezember werden wir wissen, wer das Rennen gemacht hat!“