Berlin

Flugplatz Berlin-Tempelhof, Ende August: Ein Mann in Pilotenuniform wankte aus einem Boeing-Düsenklipper der Pan American. Wenig später wurde er in die Landesnervenklinik eingeliefert. Diagnose: Alkohol-praedelir. Der Name des Patienten: Raymund Foppe.

Zweieinhalb Monate später war Flugkapitän Foppe tot: als Ko-Pilot raste er mit der Düsenmaschine N 317 PA am 15. November gegen den Champagnerberg vor den Mauern und Stacheldrähten Berlins. Über eine mysteriöse Geschichte des Flugkapitäns Foppe wird seitdem zwischen Tempelhof und Tegel geflüstert. Doch vergeblich wartete man bislang auf die Schlagzeilen der sonst nicht gerade zimperlichen Berliner Boulevard-Presse: „War der Unglückspilot Alkoholiker?“

So brauchte denn die Pan American nicht offiziell zu dementieren, was zu widerlegen ihr nicht schwerfiele: Daß sie einen Trinker an den Steuerknüppel eines Düsenclipper ließ. Die erste Diagnose, die in der Landesnervenklinik erstellt wurde, war nämlich falsch. Die Fluggesellschaft und der Arzt des Verunglückten versicherten übereinstimmend, Foppe habe den schweren Kollaps als Folge einer Tablettenvergiftung erlitten.

Doch sind damit nicht alle Fragen zum Fall Foppe beantwortet. Wie konnte es geschehen, daß die Fluggesellschaft von den gesundheitlichen Beschwerden des Piloten, die ihn zu dem übermäßigen Tablettenkonsum trieben, und von seinem Aufenthalt in der Nervenklinik offenbar nichts wußte?

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Berlin Tiergarten, Körnerstraße 3, Ende November: Ein Greis in zerschlissenem Mantel stolpert auf den Balkon, an den Nachbarfenstern hingen Neugierige. Der Bärtige teilt ihnen mit: „Mein Nachttopf hat Geburtstag.“