Für eine Große Coalition unter dem CDU/CSU-Kanzlerkandida- ten Kurt Georg Kiesinger wurden trotz lebhaften Widerspruchs aus den Landesverbänlen der Sozialdemokraten die Voraussetzungen geschaffen. Günter Grass engagierte sich als schärfster Kritiker des Brandt-Wehner-Kurses. Vertriebenen-Präsident und SPD-Politiker Wenzel Jaksch wurde in einem von seiner Frau gesteuerten Wagen bei einem Autozusammenstoß tödlich verletzt. Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm feierte sein zwanzigjähriges Ministerjubiläum.

In der letzten Phase der Koalitionsverhandlungen kehrte Bundespräsident Heinrich Lübke nach seinem Staatsbesuch in Mexiko nach Bonn zurück. Nahum Goldmann warnte vor einer „Juden-Panik in der Welt“ nach den NPD-Wahlerfolgen in der Bundesrepublik. Zum Kampf gegen den Rechtsradikalismus gründeten Mitglieder der Jungen Union in München die Aktion „Weiße Rose“. An der Freien Universität Berlin kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen dem Rektor und Studenten.

*

Das Ostberliner Außenministerium verlangte von den Westmächten die Auflösung der alliierten Einrichtungen für das Post- und Fernmeldewesen in Westberlin. Im Westberliner Gästehaus empfing der Regierende Bürgermeister Willy Brandt den Ostberliner Sowjet-Botschafter Pjotr Abrassimow zu einem ausgedehnten Gegenbesuch. Der sowjetische Bonn-Botschafter Semjon Zarapkin gab in seiner Residenz ein Essen für Direktorium und Vorstandsmitglieder der Deutschen Friedens-Union. An der Stelle des Absturzes einer „lljuschin“-Maschine in der Hohen Tatra lag unter 82 Toten auch der bulgarische Botschafter in Ostberlin.

*

Rumänien erteilte den staatlichen französischen Renault-Werken einen Auftrag über 8000 Personenwagen. In Wolfsburg lief der zwölfmillionste Volkswagen vom Band. An den internationalen Devisenmärkten erzielte die D-Mark Kursgewinne. Die Börse reagierte freundlich auf die Große Koalition.

Der Verteidigungsausschuß des Bundestages verlangte mehr Sold für die Unteroffiziere. Luftwaffen-Inspekteur General Steinhoff empfahl eine Ausdehnung der Dienstzeit der Starfighter-Piloten auf fünfzehn Jahre. Beim Absturz des 65. Starfighters in der Nähe des Flugplatzes Büchel fand der Pilot den Tod. Der Prototyp eines französischen Senkrechtstarters stürzte bei einem Testflug ab. An der bretonischen Küste eröffnete Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle das erste Gezeiten-Kraftwerk der Welt. Die USA und die UdSSR einigten sich über einen Vertrag zur friedlichen Erforschung des Weltraums.