Der Flugtourist hat Anspruch auf Schadenersatz Ehefrau wurde höher eingestuft

Auf dem letzten Flug in den sonnigen Süden traf es meinen Nachbarn. Bei der Ankunft am Zielflughafen Valencia blieb sein Koffer unauffindbar, solange er, das Flughafenpersonal und wir Mitreisende auch suchten. Dafür stand ein herrenloses Gepäckstück herum. Das vorschriftsmäßige Etikett verriet, daß es seinen Herren nach Tunis hätte begleiten sollen.

Einzelfall oder alltägliches Vorkommnis beim Fliegen? Die Statistik nennt keine Zahlen. Schätzungen gehen dahin, daß im Flugverkehr weit weniger als 0,5 Prozent der Gepäckstücke ihren Bestimmungsort nicht gleichzeitig mit dem Passagier erreichen, das heißt, falsch oder zu spät verladen werden. Immerhin trifft das Tausende.

Für den betroffenen Passagier ist der niedrige Prozentsatz kein Trost. Sicherlich auch das Kleingedruckte nicht, das er unter Reisehinweisen im Prospekt seines Reiseveranstalters nun erst entdeckt: „Wir treten nur als Vermittler auf und übernehmen daher keine Haftung bei Beschädigungen, Verlusten etc... Sofern die Leistungen den Gepäcktransfer einschließen, wird unsererseits keinerlei Haftung bei Beschädigung, Verlust oder Fehlleitung übernommen ...“

Versicherung muß einspringen

Ist unser Habenichts nun ganz auf das Wohlwollen der Reisegefährten angewiesen, ihm mit Rasierzeug und Badeanzug auszuhelfen? Muß er seine Urlaubsfreuden schwinden sehen? Und sich auf lange Streitereien einlassen? Mitnichten! Schließlich bleibt die Haftung der mit dem Transport beauftragten Luftverkehrsgesellschaften unberührt: Sie haften im Rahmen des Üblichen, ihre Versicherungen müssen einspringen.

Scharnow gebührt das Verdienst, als erstesTouristikunternehmen seine Urlauber auf die mögliche Hilfe in der Not hinzuweisen. Zwar nicht in den Reisebedingungen selbst, jedoch in den informativen Heften „In der Welt zu Gast“, die Scharnow allen Auslandsurlaubern für das jeweilige Reiseziel aushändigt. Unter der Rubrik „Es geht um Ihr Gepäck“ lesen wir da: „Ist aufgegebenes Reisegepäck nach Ablauf von zwei Stunden nach Ankunft des Fluggastes nicht eingetroffen, möge sich der Gast mit dem Reiseleiter wegen des Einkaufs der notwendigen Gebrauchsgegenstände in Verbindung setzen.“