Kurz nach Vollendung seines 70. Lebensjahres ist der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Wenzel Jaksch bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sein Leben war von Tragik umwittert. Nüchtern und klug, erkannte er mehrmals drohendes Unheil, aber seine Warnungen fanden nie Glauben. Vergeblich warnte er seine sudetendeutschen Landsleute vor Henlein, dem Wegbereiter Hitlers, und sie blieben taub, als er ihnen mit verzweifelnder Leidenschaft ihren vermeintlichen Retter, dessen Politik später zu ihrer Vertreibung aus der jahrhundertealten Heimat geführt hat, auszureden versuchte.

Nach dem Ausbruch des Krieges schloß sich Jaksch in Sorge um seine Landsleute der tschechoslowakischen Exilregierung in London an. Aber auch sie hörte nicht auf ihn, als er ihr nicht nur das Unrecht, sondern auch den ökonomischen Unsinn der schon lange vor Kriegsende geplanten Vertreibung von fast drei Millionen Menschen darlegte.

In seinen späten Jahren wurde Jaksch Präsident des Bundes der Vertriebenen. Ein Vorkämpfer des Rechts, der er zeitlebens gewesen ist, setzte er sich – schwungvoll in der Rede, aber realistisch in der Analyse – für eine Wiedergutmachung des an den Vertriebenen begangenen Unrechts im Rahmen der verbliebenen Möglichkeiten ein. Aber das war den einen zuwenig und den anderen zuviel. Und so fand er auch hier mehr Kritik als Zustimmung.

Jaksch war ein Sohn der alten k. u. k. Monarchie, Sproß einer kinderreichen Häuslerfamilie aus dem Böhmerwald. Jahrzehnte später stand der alte Wenzel Jaksch wehmütig in der Grenze seiner einstigen Heimat und schaute sehnsüchtig hinüber. Er hat zeitlebens hart gearbeitet. Er hatte manchen Erfolg. Aber seine Sehnsucht nach der großen Wende, die Im so viele Jahre bedrängt hat, wurde ihm nie erfüllt.

R. S.