Harold Wilson zögerte seine Entscheidung im Konflikt mit den rebellischen weißen Siedlern Rhodesiens bis zum letzten Tag hinaus – mit gutem Grund: Beantragt London bei den Vereinten Nationen obligatorische Wirtschaftssanktionen gegen die abtrünnige Kolonie, so vermag niemand zu sagen, wohin die Fahrt geht. Ein Konflikt mit der Republik Südafrika, dem Alliierten des rhodesischen Premiers Ian Smith, wäre wahrscheinlich. Darf aber Wilson mitten in der Wirtschaftskrise den Ausfall seines viertgrößten Handelspartners riskieren?

Im Spätsommer hatte sich der Labour-Premier von den afro-asiatischen Commonwealth-Staaten das Versprechen entreißen lassen, den Streitfall der UN zu überlassen, falls Smith nicht bis zum 30. November die britischen Vorschläge für ein Übergangsregime akzeptiere. Noch am Sonntag versuchte Commonwealth-Minister Herbert Bowden eine Einigung mit der Regierung Smith herbeizuführen. Tatsächlich brachte er „einige kleinere Zugeständnisse“ mit nach London:

1. Grundsätzlich bestreitet Smith nicht das Recht der vier Millionen Farbigen auf eine Mehrheitsregierung, aber er selber will den Zeitpunkt bestimmen, an dem die Schwarzen zum Regieren „reif“ sind. Zur Zeit sind die beiden wichtigsten politischen Gruppen der Eingeborenen miteinander verfeindet; träten die 200 000 Weißen sofort ab, wären vermutlich Mord und Totschlag die Folge. Darum soll ein „Bremsmechanismus“ in der Verfassung die Übergabe der Macht um zehn oder fünfzehn Jahre aufschieben,

2. Smith will über die umstrittensten Paragraphen seiner Rassengesetze mit sich reden lassen. (London will die Gesetze ganz beseitigen.)

3. Smith will den Schwarzen und Weißen eine neue Verfassung zur Abstimmung vorlegen, verbittet sich jedoch die von Wilson gewünschte internationale Kontrolle des Referendums.

Der rhodesische Premier vertraut darauf, daß Wilson es nicht zum Äußersten kommen läßt: „Er hat sich ein oder zwei Hintertüren offen gelassen.“