FÜR den, der England liebt, wie für den, der England nicht ausstehen kann – zur Korrektur seines Englandbildes:

„Ladies, Lords und Liederjane“, präsentiert von Henning Schlüter; Propyläen Verlag, Berlin; 224 S. mit 171 Abb., 48,– DM.

ES ENTHÄLT nach einem einführenden Essay von Philippe Jullian 183 Äußerungen von Ausländern über England, durch 171 alte Karikaturen und Zeichnungen englischer Graphiker illustriert. Alle Zeugnisse stammen aus der Zeit, da England von den Europäern entdeckt wurde, und das sind vor allem die beiden letzten Dekaden des achtzehnten Jahrhunderts. Frühestes Zeugnis: „Die Briten finden wenig Vergnügen daran, ihren Weibern schmeichelhafte Komplimente zu machen. Auch ist ihnen ein Zechgelage oder Kartenspiel lieber als die Unterhaltung mit Frauenzimmern (Cesare de Saussure, „Reiseberichte aus Deutschland, Holland und England“, 1725/29). Spätestes Zeugnis: „Die Engländer haben aus der Langeweile eine Mode gemacht (Michail Lermontow, „Bela“, 1839). Als Beispiel für die Illustrationen haben wir eine ausgesucht, die zeigen kann, wie die meisten dieser Zeichnungen auch eine eigene Geschichte zu erzählen haben. Was da doch unter dem Mistel- oder auch Mispelzweig alles erlaubt war!

ES GEFÄLLT mir so sehr, wie mir noch nie ein Buch über England gefallen hat – mein eigenes eingeschlossen. Ich kann mir kein schöneres Weihnachtsgeschenk vorstellen für Leute, die ein Verhältnis zu England haben und über das Alter sittlicher Gefährdbarkeit hinaus sind. Für Konfirmanden nicht zu empfehlen. Rudolf Walter Leonhardt