Obwohl die Umsätze des Hauses Siemens im Geschäftsjahr 1965/66 (30. 9.) um annähernd 600 Millionen Mark zugenommen haben (oder um 8 Prozent) und etwa 7,8 Milliarden betrugen, ist der Gewinn im Inland fühlbar zurückgegangen. Wahrscheinlich um 10 bis 15 Prozent. Zunehmende Verlagerung des Geschäfts auf den zur Zeit weniger ertragreichen Export und beträchtliche Entwicklungskosten auf den Gebieten der Datenverarbeitungsanlagen und der Elektronik haben den Ertrag ebenso geschmälert wie weiter gestiegene Abschreibungen.

Natürlich wird deshalb an der Dividende von 16 Prozent nicht gerüttelt werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit auch im laufenden Geschäftsjahr nicht, obwohl der Sprecher des Hauses Siemens, Dr. Adolf Lohse, für diese Periode mit Prognosen sehr vorsichtig war. „Die Verhältnisse ändern sich von Woche zu Woche!“ Eines steht aber heute schon fest. Mit einer nennenswerten Umsatzsteigerung ist für 1966/67 nicht zu rechnen. Bleibt für die Aktionäre zu hoffen, daß die im Sommer ausgesprochene Erwartung, die Kosten wieder in den Griff zu bekommen, eintreffen wird. Die Klimaänderung auf dem Arbeitsmarkt, die Verringerung der Belegschaft um 2500 auf 218 500 läßt einiges hoffen.

Die Konjunkturabkühlung schlägt sich in den Auftragsbüchern nieder, dagegen nicht in den Investitionen. 1965/66 lagen sie mit knapp 450 Millionen um 110 Millionen höher als im Jahr zuvor, 1966/67 werden sie etwa 400 Millionen betragen und immer noch höher sein als die Abschreibungen. Als Wachstumsunternehmen kann das Haus Siemens schwerlich seine Investitionen „konjunkturgerecht“ machen, wobei anzumerken ist, daß ein großer Teil bei Auslandstöchtern erfolgt. Die Finanzierung der laufenden Investitionen ist gesichert, wenngleich Siemens sicherlich so bald wie möglich mit einer Inlandsanleihe an den Kapitalmarkt treten wird.

Der sonst so auskunftsbereite Dr. Lohse, der das Amt des Finanzchefs jetzt seinem Schwiegersohn Dr. Närger übergeben hat, war nur zögernd bereit, über „schwebende Verfahren“ zu sprechen. Immerhin gab er zu, daß Siemens und BBC darüber verhandeln, ob man das Geschäft der Zuse KG, eines Unternehmens, das sich auf dem Gebiet der Datenverarbeitung Verdienste erworben hat, künftig gemeinsam führen kann. Die BBC hatte erst vor kurzem Zuse erworben, ohne bislang daran rechte Freude gefunden zu haben. Jedenfalls scheint sich die BBC von der Gesellschaft wieder trennen zu wollen. Gerüchtweise verlautete, daß sich schon ausländische Firmen interessiert gezeigt hätten.

Auch über das Thema „Siemens in Österreich“ wurde mehr geschwiegen als geredet. Es scheint nunmehr so zu sein, daß die Österreicher gern eine Siemens-Beteiligung an den ehemaligen, seinerzeit enteigneten, jetzt staatlichen Siemensbetrieben sehen würden. Das gibt dem Haus Siemens für die weiteren Verhandlungen eine ungleich bessere Plattform als bisher. Allerdings dürfte man in München eher eine andere Form der Zusammenarbeit wünschen als die über eine Kapitalbeteiligung. K. W.