Von Karl-Heinz Wocker

London, im Dezember

Der Kampf geht weiter!, verkündete der rhodesische Rebellenpremier Ian Smith einer jubelnden Menge in Salisbury. Sein „Nein“ zu den letzten britischen Vorschlägen traf die Engländer nicht ganz unerwartet. Überrascht war man in London eigentlich erst, als bekannt wurde, wie nahe sich Wilson und Smith an Bord des Kreuzers „Tiger“ beim Gespräch über Sachfragen der rhodesischen Unabhängigkeit gekommen waren.

Zum erstenmal hatte Smith bei Gibraltar die sechs Grundsätze akzeptiert, die von den Engländern für ein unabhängiges und zumindest halbwegs demokratisch regiertes Rhodesien aufgestellt. worden waren: Garantie einer späteren Herrschaft der schwarzen Mehrheit, keine rückschrittlichen Verfassungsänderungen, verbesserter politischer Status der Afrikaner, Ende der Rassendiskriminierung, Volksabstimmung über die beschlossene Unabhängigkeitsregelung, weder Unterdrückung der Mehrheit durch die Minderheit noch umgekehrt. Selbst die Sitzverteilung für Weiß und Schwarz in beiden Häusern des Parlaments von Salisbury während einer Übergangszeit hatten die beiden Regierungschefs bereits festgelegt.

Ob das alles dann auch von Ian Smiths Getreuen und Gestrengen daheim in Rhodesien gebilligt wurde, wird man kaum je erfahren. Offiziell stieß sich das Kabinett von Salisbury an dem englischen Verlangen, zuvor das ganze rhodesische Volk über die künftige Verfassung abstimmen und in der Zwischenzeit den britischen Gouverneur regieren zu lassen. Dies hätte für die Rhodesier bedeutet: Einige Monate ohne Zensur, ohne Diskriminierung, ohne Hausarreste und ohne politischen Druck. Doch ein solches Risiko wollten die Männer der „Rhodesischen Front“ nicht eingehen. Lieber gingen sie wieder in die Gräben.

Wie soll es nun weitergehen? Außenminister Brown fordert in New York den Weltsicherheitsrat auf, die bisher von England gegen Rhodesien verhängten wirtschaftlichen Sanktionen für alle Mitgliedsstaaten allgemeinverbindlich zu erklären, wie es die Commonwealth-Konferenz schon im September verlangte. Ausgewählt und wirksam sollen diese Sanktionen sein. Aber schließt nicht das eine das andere aus? Eine zum Durchhalten entschlossene Minderheitsregierung in Salisbury wird jede Lücke in der gegnerischen Front für Schwäche nehmen.

Ian Smith spekuliert mit der Furcht der Engländer, die Republik Südafrika in die Krise hineinzuziehen. Dort liegen fast zehn Prozent aller britischen Auslandsinvestitionen. Der Handel mit Pretoria bringt London bitter benötigte Überschüsse. Das immer noch nicht sanierte Pfund Sterling geriete unter neuen Druck, wenn die Exporte nach Südafrika im jährlichen Wert von etwa drei Milliarden Mark zusammenbrächen. Die Automobil-Industrie in den Midlands, ohnehin angeschlagen, ist an diesen Ausfuhren mit einer halben Milliarde Mark beteiligt. Der traditionelle südafrikanische Markt ist für England nirgend anders zu ersetzen, und von den Agrarprodukten der Republik lebt jeder englische Obst- und Gemüsehändler.