Von Werner Höfer

Wie interessant die Zeiten auch sein mögen: die Chronisten sollten uninteressant bleiben. Das ist eine orthodoxe Journalisten-Regel, von der in diesen Tagen eine frappante Ausnahme zu registrieren ist. Denn beim allgemeinen Bonner Ämter- und Männerwechsel beanspruchte kaum ein Name soviel Interesse wie der eines Zeitungsmannes, dem es freilich im letzten Jahrzehnt nie an Publizität gefehlt hat, zwischen I. Fallschirmjägerdivision und „Fallex 66“, zwischen Hans Zehrer und Rudolf Augstein, zwischen Sonntagsblatt und Welt-Redaktion zwischen Bundespresseamt und Dienststelle Blank, zwischen Frankfurter Rundschau und Hamburger Spiegel, zwischen der Verdächtigung des Landesverrats und der Berufung in den Staatsdienst, zwischen Gefängniszelle und Bonner Amtsstube. Der Name ist... Conrad Ahlers.

Bei Schinkenbrot und Piccolo, ermüdet vom Recherchieren und Formulieren, läßt er sich während der Verfertigung einer „Spiegel“-Titel-Geschichte über die Regierungsbildung kaum aus der Ruhe bringen durch die Kollegenfrage, wie er das finde, über Nacht interessanter geworden zu sein als die nicht gerade uninteressanten Ereignisse in der Bundeshauptstadt. Die Antwort, extra dry:

„Wenn es so ist, so finde ich das komisch.“ „Ein paar andere Leute, Herr Ahlers, finden das durchaus nicht komisch, daß Sie als Strauß-Opfer nun auf dem besten Wege sind, eine Art von Strauß-Partner zu werden – wenn Sie sich wirklich entschließen sollten, das Amt eines stellvertretenden Bundespressechefs zu übernehmen.“

„Ich habe mich noch nicht entschlossen.“

„Aber das Amt wurde Ihnen angeboten ?“

„Man hat mich gefragt, ob man mit mir für diesen Posten rechnen könne.“