Von Heinz Michaels

Der Student stand neben dem Professor der Nationalökonomie auf dem Podium des Bundestagspräsidenten. Beide sprachen die Eidesformel, der eine als Bundesminister für Finanzen, der andere als Bundesminister für Wirtschaft. Und dann streckte Franz Josef Strauß fordernd die Hand aus, doch Bundestagspräsident Gerstenmaier gab das Schriftstück nicht aus der Hand. Professor Schiller aber raunte seinem Nachbarn zu: „Ich werde mir vorsichtshalber die Taschen zunähen lassen.“

Das war am Donnerstag letzter Woche. Noch am gleichen Abend fuhr Sozialdemokrat Schiller hinaus nach Duisdorf, wo in aufgemöbelten alten Kasernen das Bundeswirtschaftsministerium untergebracht ist.

14 Jahre lang, von 1949 bis 1963, residierte dort schon einmal ein Professor der Nationalökonomie, Ludwig Erhard. Mit der symbolträchtigen Zigarre in der Hand sonnte er sich im Glanz, den das Wirtschaftswunder auf ihn warf, und ärgerte sich über Altkanzler Konrad Adenauer, der ihm Steine in den Weg warf, wo er nur konnte. Drei Jahre lang war dann der kaum minder füllige, doch gewandte Mittelständler und Druckereibesitzer Kurt Schmücker Hausherr.

Nach 17 Jahren CDU-Herrschaft zieht nun ein Sozialdemokrat in jenes Ministerium ein, ein Ministerium, dessen Nimbus manchen Wähler dazu bewogen hat, seine Stimme für die christlich-demokratische Partei abzugeben. „Es ist nun nicht etwa so, daß hier jeder ein Parteibuch in der Tasche trägt“, sagt ein Angehöriger des Ministeriums, „aber...“

Der Satz blieb unvollendet. Doch seine Bedeutung ist klar: Die Beamten, die höheren vor allem, denken in den Kategorien, die ihre beiden bisher amtierenden Minister erwarteten.

Rund 1700 Menschen arbeiten heute in der ehemaligen Gallwitz-Kaserne. Das alte Reichswirtschaftsministerium in Berlin kam noch mit 700 Bediensteten aus. Aus dem Berliner Ministerium rekrutierte sich auch ein wichtiger Stamm von Beamten des BWM, wie das Bonner Kürzel heißt. Die nach dem Kriege in Lemgo gebildete Wirtschaftsverwaltung stellte einen zweiten Beamtenschub.