Vor zwei Jahren, auf dem Parteitag in Schwetzingen, machte Hartmut Preissler seinen Anhängern noch Mut: „Wir sind keine Hanswürste, Hansfauste sind wir.“ Und der damalige Wahlkampfleiter, Wilhelm Gutmann, beschwor seine Parteileute: „Wir wollen die neue Sturmfahne gesamtdeutschen Willens, nationaler Einigung und Einheit und reichstreuer Zielbewußtheit vorantragen in eine Zukunft, die dunkel und drohend vor uns liegt.“

Heute ist diese Partei kaum noch einen Pfifferling wert – die Gesamtdeutsche Partei Deutschlands, mit dem Untertitel Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, kurz: GDP/BHE. Seit zwei Jahren liegt sie im Sterben. Mitte des nächsten Jahres, nach der Landtagswahl in Niedersachsen, wird sie tot sein.

Denn unterdessen hat sie auch ihre letzte Bastion verloren. In Hessen, bei den Landtagswahlen, kam sie nur auf 4,3 Prozent (1962 erreichte sie noch 6,3 Prozent der Stimmen). Hier war sie seit 14 Jahren an der Regierung beteiligt. Ihr Landwirtschaftsminister Hacker, nach Zinn Hessens populärster Politiker, war das einzige Kabinettsmitglied, das die GDP vorweisen konnte. Nun mußte auch er seinen Platz räumen.

Vor dem 6. November hatte Hacker seiner Partei noch eine Chance gegeben. Sie brauche, so erklärte er, einen Erfolg, der über dem letzten Wahlresultat liege. Dann könne von Hessen aus eine Erneuerung der Partei „auf Bundesebene“ in die Wege geleitet werden: Doch die Hoffnung trog. Er resignierte und mit ihm der Fraktionschef Seiboth, samt den stellvertretenden Landesvorsitzenden Kreutzmann und Waller. Auf einem außerordentlichen Parteitag in Friedberg bekannte Hacker dieser Tage: „Ich kann nicht raten, weiterzumachen.“ Die GDP sei eine „völlig aussichtslose Partei“. Von den übrigen Mitgliedern der Parteispitze heißt es, sie seien willens, in die SPD überzutreten. Nur Hartmut Preissler, der hessische Landesvorsitzende, will „fanatischer und besessener denn je“ das Fähnlein der restlichen Aufrechten noch hochhalten. Bis zum bitteren Ende.

Als BHE war diese Vertriebenen-Formation einmal die drittstärkste Partei im Bundestag. Neben Hessen waren Schleswig-Holstein, Bayern und Niedersachsen ihre Hochburgen. Mit der Eingliederung der Flüchtlinge in den Wirtschaftsprozeß, ihrem wachsenden Wohlstand, schwand die Notwendigkeit und Berechtigung einer solchen exklusiven „Standespartei“. Mehr und mehr wanderten ihre Wähler zu den beiden großen Parteien ab. Daran änderte auch die Fusion des BHE mit der Deutschen Partei im Jahre 1961 nichts. Die GDP geriet auf die abschüssige Bahn. Zuletzt konnten sich ihre Spitzenkandidaten bei den Bundestagswahlen nur noch durch Wahlbündnisse retten – in Bayern mit Hilfe der CSU, in Niedersachsen und Hessen im Troß der SPD. Bei den Landtagswahlen aber verlor sie von Mal zu Mal: In Schleswig-Holstein schaffte sie nur noch 4,2 Prozent (1962), in Niedersachsen 3,7 Prozent (1963). Dort wird sie im nächsten Jahr wie in Hessen, wo sie zwei Prozent der Stimmen einbüßte, auf der Strecke bleiben. Sie wird dann nicht einmal mehr eine Interessenpartei der letzten Habenichtse sein.

Doch der Nachfolger ist bereits zur Stelle – die Nationaldemokraten. Sie haben längst das rechtsradikale Programm der GDP übernommen. Schon in Schwetzingen hatten die Gesamtdeutschen ihre Wut an den Beatles ausgelassen, waren gegen die „Alleinschuldlüge und die einseitig geführten Kriegsverbrecherprozesse und die damit verbundene schamlose Zweckpropaganda (dauernde Demütigung unseres Volkes und restlose Zerstörung seines Selbstbewußtseins)“, gewesen, hatten das Verbot „schamloser“ Filme, für „Verzichtler“ Anklage wegen Hochverrat gefordert und sich selber als das „Gewissen der Nation“ bezeichnet.

So steht es fast wörtlich nun auch im Manifest der Thielen und Thadden. Wilhelm Gutmann ist inzwischen stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD geworden, und viele GDP-Wähler stimmen heute für die Nationaldemokratische Partei Deutschlands.