Von Kino Sanders

Wird ein fremdsprachiger Schriftsteller fürs Deutsche entdeckt, so stellt man ihn gemeinhin mit seinem jüngsten Werk vor, und wenn es sehr gelungen ist, mag es angestaunt werden wie „Lolita“. Wie solche Leistung zustande kommen konnte, bleibt einstweilen unbegreiflich. Ein Opus macht noch keinen Autor – oder nur selten.

Von Cesare Pavese lasen wir zuerst seinen letzten Roman, „Der junge Mond“, 1954, vier Jahre, nachdem er in Italien erschien, vier Jahre, nachdem der Autor sich in Turin, der Hauptstadt seiner Heimat, das Leben genommen hatte. Aber begriff man dieses Buch von der Unmöglichkeit aller Heimkehr zugleich als das große Abschiednehmen, das Noch-einmal-Heraufrufen des je Geliebten und Verlorenen?

Gewiß, das alles wurde deutlicher, als Claassen 1956 das nachgelassene Tagebuch „Handwerk des Lebens“ herausbrachte, Zeugnis eines geradezu masochistischen Wahrheitswillens; doch wie Pavese seine Probleme in Kunst umsetzte, davon gaben auch die mythologischen „Gespräche mit Leuko“ (1958) nur ein einseitiges Bild. Schließlich wurden – einzeln – die drei kleinen Romane übersetzt, die Pavese 1949 unter dem Titel „Der schöne Sommer“ in einem Band zusammenfaßte und die ihm den begehrten Premio Strega eintrugen.

Der früheste dieser Romane, eben „Der schöne Sommer“, ist noch in der distanzierenden dritten Person geschrieben, die beiden späteren stehen rigoros in der Ich-Form. Es scheint, als sei Pavese des epischen Mummenschanzes zunehmend überdrüssig geworden. Um jener erbitterten Wahrhaftigkeit willen kam er in allen späteren Büchern zur ersten Person Präsens; sie erlaubte ihm unmittelbare Selbstdarstellung noch da, wo das Ich eine Frau ist wie in „Einsame Frauen“.

Den Weg von „er“ zu „ich“ zeigen auch die beiden Romane, die der Dichter, ebenfalls 1949, unter gemeinsamem Titel herausgab. In einem Band legte sie der Verlag, dem wir Paveses Werk bei uns verdanken, in guter Übersetzung vor –

Cesare Pavese: „Da er noch redete, krähte der Hahn“, aus dem Italienischen von Arianna Giachi; Claassen Verlag, Hamburg; 283 S., 18,50 DM.