Innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen sollen amerikanische Truppen in das Mekong-Delta einrücken. Damit steht das amerikanische Oberkommando in Südvietnam vor einer seiner unangenehmsten Entscheidungen. Bisher war das unwegsame Sumpfgebiet des Deltas, das von Millionen Flüssen, Seen, Bächen und Kanälen durchzogen ist, der südvietnamesischen Armee vorbehalten. Aber alle Erfolge der Amerikaner in den übrigen Teilen Vietnams bleiben nutzlos, wenn die Stärke des Vietcong in der Reiskammer des Landes an der Mündung des Mekong nicht gebrochen wird. Die südvietnamesische Armee ist dort ihres Gegners in langjährigen Känpfen bisher nicht Herr geworden.

Wahrscheinlich müssen die Amerikaner eine ganze Infanterie-Division in den Sumpf schicken. Da in diesem Gebiet etwa sieben Millionen Vietnamesen wohnen, können Artillerie und Jagdbomber wenig ausrichten, soll nicht die Zivilbevölkerung schwerste Verluste erleiden. Die Zusatzausrüstung der Infanterie wird etwa 200 Millionen Dollar kosten (Hubschrauber, Patrouillenboote, leichte Panzer). Präsident Johnson hat bereits angekündigt, daß er im laufenden Rechnungsjahr für den Krieg in Vietnam vom Kongreß noch (umgerechnet) 36 bis 40 Milliarden Mark nachfordern müsse.

Ungewöhnlich scharf hat der stellvertretende sowjetische Außenminister Kusnezow in der UN-Vollversammlung die amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam verurteilt. Zur selben Zeit beschuldigte Hanoi die Amerikaner, sie hätten zum erstenmal Villenvororte der nordvietnamesischen Hauptstadt bombardiert und dabei viele Zivilisten getötet.