Ende voriger Woche wurde in Göttingen eine Werbeaktion gestartet. Man spielte „Die Schlacht bei Lobositz“ von Peter Hacks, eine Komödie, die seit kurzer Zeit auf dem Spielplan steht, an diesem Abend zu dem Sonderpreis von drei Mark – an gewöhnlichen Tagen betragen die Preise dagegen zwischen drei und elf Mark.

Nach der Aufführung gab es dann eine Diskussion. Oben auf der Bühne saßen einige Theaterleute und sprachen mit jedem im Parkett, der sich zu Wort meldete. Die meisten Zuschauer blieben bis zum Schluß, obwohl das Ganze immerhin viereinhalb Stunden dauerte.

Das Stück von Peter Hacks war insofern sehr geeignet, als sich an ihm ganz gut Meinungen entwickeln ließen. Auf den Begriff der „Aktualität“ mußte man sich bei einem Stück, das ja während des Siebenjährigen Krieges spielt, erst langsam einigen. Die Inszenierung (Pieper) hatte die Möglichkeit zeitbezogener Assoziationen betont.

Die Schauspieler trugen friderizianische Uniformen, aber im Hintergrund der Bühne erschienen Tafeln, auf denen moderne Kriegszenen zu sehen waren. Waren von Hacks solche Assoziationen gemeint?

Unter der Leitung von Ernst Wendt (Redakteur der Monatsschrift Theater heute) diskutierte Günther Fleckenstein, Heinz Hilperts Nachfolger in Göttingen, am klarsten. Schon in den ersten Minuten spielte er die innere Richtigkeit gegen die äußere Aktualität aus.

Die Aktualität blieb ein zentrales Thema bis zum Schluß. Schien man Hacks’ „menschlichen Bemühungen um Abschaffung des Krieges“ ganz allgemein zuzustimmen, so störte gegen Ende des Abends ein Herr im Parkett die etwas leichtfertig hergestellte Einmütigkeit durch ein heilsames Kontra. Aussagen gegen den Krieg ohne den Bezug auf die Herrschaftsverhältnisse seien von vornherein zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Sie seien unprofilierter Pazifismus.

Hier, und nicht nur hier, durchdrangen sich politische und künstlerische Sachverhalte. Schon vorher war die Frage diskutiert worden, ob Hacks nicht simplifiziere, indem er karikiere. Es gab schnell eine starke Gruppe, die sich vor Hacks stellte. Er wähle bewußt die Karikatur, es sei – so Fleckenstein – nicht seine Absicht gewesen, dem diabolisch mit Menschenliebe operierenden Offizier Markoni „in jeder Sekunde gerecht zu werden“. Sonst hätte ja der Autor, psychologisch differenzierend, im Stile etwa Gerhart Hauptmanns schreiben müssen.