C. J., Berlin

Die hundertste Wiederkehr des Geburtstages von Wassilij Kandinsky wurde am vergangenen Sonntag in der Berliner Akademie der Künste begangen. Vor einem mehr als wohlgefüllten Saal – etwa 150 Leute mußten stehen – und einem Publikum, das, wie in diesem Hause erfreulicherweise üblich, gut zur Hälfte aus unter Dreißigjährigen bestand, hielt der Kandinsky-Biograph Will Grohmann einen halbstündigen Festvortrag.

Nina Kandinsky, die vor 33 Jahren mit ihrem Mann Berlin verlassen hatte und seither in Paris lebt, war der Einladung der Akademie gefolgt: eine zierliche rothaarige Dame, eine unverwechselbare russische Französin oder französische Russin in Gestik und Sprache. Die Berliner Kulturprominenz konnte sich zunächst über die Sitzordnung während des Festaktes nicht recht einigen. Wer Witwe Nina umrahmen sollte, schien problematisch. Als diese dann aber besagte Prominenz der Reihe nach auf beide Wangen geküßt hatte, arrangierte sich alles von selbst.

Will Grohmann sprach vorn Maler, vom Menschen und vom Weltmann Kandinsky, von dem „entscheidenden Mitstreiter für die Welt, in der wir leben“. Er las aus Briefen Kandinskys vor, er zitierte andere Künstler, die sich positiv oder negativ zu Kandinsky geäußert haben, er sprach von der ungerechten und kühlen Kritik, der Kandinsky in den zwanziger Jahren ausgesetzt war, und von den Museen, die mit Ankäufen zunächst sehr zurück haltend waren. Er vergaß jedoch zu erwähnen, daß er selbst, Grohmann, nicht immer zu den Freunden Kandinskyscher Theorien gehört hat.

Es wäre schön und angebracht gewesen, wenn bei dieser Gelegenheit nicht nur über Kandinsky und sein Werk gesprochen worden, sondern von diesem Werk auch etwas zu sehen gewesen wäre. Wie man hörte, war jedoch die Vorbereitungszeit für eine Ausstellung zu kurz.