Wirtschaft

Zeit spart Geld

Zwischen den USA und Kanada ist vereinbart worden, daß die Ermäßigung der Quellensteuer auf 15 Proze

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DIE ZEIT

Grass warnt

Wo lebt der Mensch? – dieser Satz klingt nach Bert Brecht. Hier und heute! – das ist die Antwort aus Goethes Vokabular. Die „Gegenposition“ aber ist der legendäre „Elfenbeinturm“, in dem die Künstler leben – „leider“, wie Menschen von „hier und heute“ hinzuzufügen pflegen.

Elan der ersten Stunde

Alles läuft glatt in Bonn, fast zu glatt. Die Finanzprobleme, die die Regierung Erhard monatelang vor sich hergeschoben hat und an denen sie schließlich zerbrochen ist, werden nun im Eilverfahren gewissermaßen über Nacht geregelt.

Bonn zum Trotz

Wenn es stimmt, daß Bonn nicht Weimar sei, dann hat sich in diesen Tagen eine andere These als ebenso richtig erwiesen: Bonn muß auch nicht Düsseldorf sein.

Starke Männer – starkes Kabinett?

Die Zeit der brüderlichen Umarmungen ist vorbei. Selbst den glühenden Anhängern der Großen Koalition dämmert, wie schwer das Regieren nun sein wird.

Diplomat in der Soutane

Es gibt gelegentlich seltsame Zufälle: Während sich in Bonn die führenden Politiker von CDU und SPD zur Bildung einer gemeinsamen Regierung anschickten, bereitete sich im benachbarten Köln einer der heimlichen Wegbereiter dieser Großen Koalition auf den bisher sicherlich bedeutungsvollsten Tag seines Lebens vor: Am 11.

DDR-Anerkennung: nur Formsache?

Kossygin ist nicht Chruschtschow. Der gegenwärtige Sowjetpremier präsentierte sich in Paris als ein Mann von ruhigerem Auftreten, mit einer nüchternen, aber festen, manchmal harten Sprache; nicht nur eine Rechenmaschine, aber doch ein Mann, der für Phantasie in den internationalen Beziehungen kaum zuständig ist – für die ausschweifende Phantasie so wenig wie für die konstruktive.

ZEITSPIEGEL

Schwierigkeiten beim Schreiben über den Vietnam-Krieg hat die „New York Times“. In einem Kommentar zum Waffenstillstand zu Weihnachten und Neujahr vergaß einer ihrer Leitartikler kritisch-kühle Distanz und ließ seinen pazifistischen Gefühlen freien Lauf: „Tötet und verstümmelt, soviel wie ihr könnt bis zum 24.

Parteienmord aus Staatsräson?

Wer sich auf das Abenteuer einer Großen Koalition einläßt, darf nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Mit einer politischen Sünde ist es da nicht getan.

Volksregierung

Nach dem „Volkskanzler“ ist der Bundesrepublik jetzt eine „Volksregierung“ beschert worden. Viele wackeren Bürger, die den harten Meinungs- und Parteienstreit, wie er in einer Demokratie üblich ist, immer als unnütz, wenn nicht gar als schädlich empfunden haben, können nun aufatmen und mit der Bild-Zeitung hoffen, daß die beiden großen Parteien „gemeinsam den Karren wieder aus dem Dreck ziehen“ werden.

Wolfgang Ebert:: Pfeffer und Salz

Zwar hat die FDP angekündigt, sie werde, weil es an Salz fehlen könnte, der Regierung Pfeffer geben. Aber schon ein Satz des Herrn Heck, der mit Mehr anfängt – vielleicht wollte er nur sagen: „Meerwasser ist gut für jede Art von Zipperlein“ – könnte manche FDP-Abgeordnete so peinlich an das Mehrheitswahlrecht erinnern und einschüchtern, daß sie es kaum noch wagen, sich laut zu räuspern, weil das für Opposition gehalten werden könnte.

Was gilt ein Kanzlerwort

Unehrenhaft ist, ein Versprechen zu brechen, nicht minder ehrenrührig wäre, von einem Versprechen zu reden, obwohl es keines war oder mangels Kompetenz überhaupt nicht gegeben werden konnte.

Entscheidend: die ersten hundert Tage

Wenn diese Koalition die ersten zwei oder drei Monate gut übersteht, dann hält sie bis zum Wahljahr 1969. Diese Voraussage eines älteren, im Regierungsgeschäft erfahrenen Union-Politikers gibt die, Meinung wieder, die sich offensichtlich in der CDU/CSU wie in der SPD ausbreitet.

Der Tod einer Partei

Vor zwei Jahren, auf dem Parteitag in Schwetzingen, machte Hartmut Preissler seinen Anhängern noch Mut: „Wir sind keine Hanswürste, Hansfauste sind wir.

Johnson will nicht drängen

Wenn die Haltung der amerikanischen Regierung zur Großen Koalition in Bonn heute schon von irgend einem Leitgedanken bestimmt wird, so ist es der: ihr unter keinen Umständen eine grundsätzliche Neuorientierung in der Außenpolitik aufzudrängen, andererseits aber auch jedem Richtungswechsel offene und vertrauensvolle Aufmerksamkeit zu widmen.

Welche Chancen in Ostberlin?

Nie hat ein gesamtdeutscher Minister mit soviel Elan sein Amt angetreten wie Herbert Wehner; nie zuvor hat ein Bonner Minister so viel Mut postuliert, die juristischen Fesseln, die dogmatischen Bleigewichte der Deutschlandpolitik abzustreifen.

Boykott mit Bremsen

Der Kampf geht weiter!, verkündete der rhodesische Rebellenpremier Ian Smith einer jubelnden Menge in Salisbury. Sein „Nein“ zu den letzten britischen Vorschlägen traf die Engländer nicht ganz unerwartet.

Kossygin: Deutschland auf immer geteilt

Wie ein Staatsoberhaupt, mit 101 Salutschüssen und von einem barhäuptigen de Gaulle persönlich, wurde Kremlchef Kossygin auf dem Pariser Flughafen Orly empfangen.

Von ZEIT zu ZEIT

Kurt Georg Kiesinger wurde mit 340 Ja- gegen 109 Nein-Stimmen bei 23 Enthaltungen zum Kanzlergewählt. Ludwig Erhard wurde im Bundestag mit dem Schweigen Konrad Adenauers und einer Lobrede Eugen Gerstenmaiers verabschiedet.

Pekings Comeback in Afrika

Faßt Peking abermals Fuß am Ufer des Tanganjika-Sees? Vor zwei Jahren mußten die Chinesen ihre zentralafrikanische Revolutions- und Agitationszentrale in Bujumbura, der Hauptstadt des kleinen ostafrikanischen Königreiches Burundi, Hals über Kopf räumen.

Namen der Woche

Antoine Lopez, französischmarokkanischer Doppelagent, widerrief nach einem Jahr seine Aussage, daß der in Paris verhaftete marokkanische Sicherheitschef Achmed Dlimi an der Entführung des Exilpolitikers Ben Barka beteiligt war.

Barbados – kleiner als Berlin

Eine der ältesten Besitzungen des britischen Empire, die Antilleninsel Barbados, wurde am letzten Novembertag nach 340jähriger Kolonialzeit in die Ungewißheit der Unabhängigkeit entlassen.

War Adenauer an allem schuld?

Die SPD hat die Große Koalition nicht an der Person des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß scheitern lassen, obwohl sich viele ihrer Mitglieder gegen seinen Eintritt in das Kabinett wehrten.

GI’s müssen in die Sümpfe

Innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen sollen amerikanische Truppen in das Mekong-Delta einrücken. Damit steht das amerikanische Oberkommando in Südvietnam vor einer seiner unangenehmsten Entscheidungen.

Ein deutsches Schicksal

Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin hat dem Germanisten Professor Dr. Alfred Kantorowicz den Flüchtlingsausweis C zuerkannt.

Peking blitzte wieder ab

Einmal im Vierteljahr kommt der amerikanische Botschafter in Warschau, John Gronouski, mit seinem chinesischen Kollegen Wang Rue Tschuang zusammen.

Kein Trauerfall

Eher erstaunt als fuchtig oder gar belustigt entdeckte das Lehrerkollegium des Kölner Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums am letzten Montag, daß Studienräte auch auf ihre modernen Tage noch Scherzen aus der „Feuerzangenbowle“ ausgesetzt sind.

Anstößige Kehrseite

Zwischen der Bremer Post und dem Bremer Jungbürger Siegfried Hermann Hirsch, 21 Jahre alt („ich begann mein publizistisches Wirken mit 17 und bin somit Deutschlands jüngster Verleger“), herrscht Fehde.

Hommage à Kandinsky

Die hundertste Wiederkehr des Geburtstages von Wassilij Kandinsky wurde am vergangenen Sonntag in der Berliner Akademie der Künste begangen.

Die Leiden eines Fibag-Zeugen

Der Häftling Nr. 405 in der Einzelzelle 96 im Untersuchungsgefängnis Neudeck war sich keiner Schuld bewußt. Jedenfalls keiner Schuld von der Sorte, auf die das Strafgesetzbuch eine Antwort parat hat.

Dreimal die Frauen

Französische Meinungsforscher behaupten, daß die erdrückende Mehrzahl aller Romanleser heutzutage Leserinnen sind. Sollte es stimmen – und es besteht kein Anlaß, daran zu zweifeln –, so wird verständlich, warum die Jurys der französischen Literaturpreise ihre höchsten Auszeichnungen in den letzten Jahren immer mehr an Frauen vergeben.

Die neue Komische Oper in Ost-Berlin

Der Hausherr der Komischen Oper, Nationalpreisträger Professor Walter Felsenstein, meldete seine Forderung bereits ein halbes Jahr vorher an und blieb bis zum letzten Sonntag auch dabei: Im Theater solle man Theater spielen und keine Reden halten.

Göttinger Theater-Diskussion

Ende voriger Woche wurde in Göttingen eine Werbeaktion gestartet. Man spielte „Die Schlacht bei Lobositz“ von Peter Hacks, eine Komödie, die seit kurzer Zeit auf dem Spielplan steht, an diesem Abend zu dem Sonderpreis von drei Mark – an gewöhnlichen Tagen betragen die Preise dagegen zwischen drei und elf Mark.

Versuche mit Shakespeare

In Berlin holte Ernst Schröder jetzt die Festwocheninszenierung von „Troilus und Cressida“ nach. In Hamburg verschaffte sich Oscar Fritz Schuh einen Vorteil, indem er die Übertragung von Richard Flatter benutzte.

Diese neue Regierung

Die politischen Mächte in unserem Teilstaat haben sich umgebettet. Wenn wir im Bild bleiben wollen, ging das einerseits nicht ohne Knarren der Bettstatt, anderseits nicht ohne Schlafzimmergetuschel vonstatten.

Günther Grass

Meine Warnung habe ich ausgesprochen; Sie haben diese Warnung bestätigt. Uns allen, die wir außerhalb stehen, fehlt es an Macht, die sich anbahnende und, wie ich meine, unglückliche Entwicklung zu verhindern.

Der Feind steht rechts

In Papenburg, wo Ossietzky sich im Konzentrationslager zu Tode litt (kurz nachseiner Entlassung starb er), war man auf den löblichen Einfall gekommen, des vor dreißig Jahren an Carl von Ossietzky verliehenen Friedensnobelpreises zu gedenken.

Fernsehen:: Vater und Sohn

An Gustav Noske mußte ich denken, als ich den Minister Wehner neben dem Minister Hassel sah, an Noske und die Herren von der Garde-Kavallerie-Schützendivision, an Ebert und an Hindenburg und auch an jenen Maurerpolier, Jahrgang neunundneunzig, den alten SPD-Kassierer und Antifaschisten aus Magdeburg, den Feind der Stalinisten aus Deutschland – ich dachte an ihn und malte mir aus, was in ihm vorgehen würde, wenn er die Tagesschau sähe, dieser Polier, der dabei war, als man Paul Levi begrub, der in Buchenwald saß und heute eine kümmerliche Zweizimmerwohnung besitzt, denn von der Partei will er nichts wissen, er ist verbittert, Hoffnungen hat er nicht mehr.

Kunstkalender

Malewitsch wird mit 17 Bildern (aus dem Stedelijk Museum Amsterdam) als die Hauptfigur der Ostgruppe dokumentiert, seine frühen Bilder, von der „Ernte“ 1911 bis zur kollagierten „Dame vor Litfaßsäule“ von 1914, demonstrieren, daß seine Wendung zum Suprematismus die russisch radikale Antwort auf den Pariser Kubismus darstellt.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Mit Subskriptionsausgaben möchten sich die Schallplattengesellschaften eine Basis für die Kalkulation möglicher Auflagen besonders aufwendiger Produktionen schaffen.

System allein genügt nicht

In Deutschland lebt man nicht gern mit der Kunst, man braucht sie zu Bildungszwecken – warum auch nicht? Daß aber ein Museum zur Eröffnung einer großen internationalen Ausstellung eine Band engagiert, daß Scharen gutgelaunter junger Besucher durch die Räume ziehen und daß anschließend Künstler und Galeristen zum Essen und Trinken eingeladen werden: das ist offenbar nur in Amsterdam möglich.

FILMTIPS

„Fahrenheit 451“. François Truffaut hat von Ray Bradburys science-fiction-Roman nur die Prämisse von der Gesellschaft übernommen, die das Lesen verboten hat.

Youvenile Delynquencie

Beim englischen Wort „juvenile“ fällt einem als erste Assoziation „delinquency“ ein. War ein Akt von juvenile delinquency, von „jugendlichem Vergehen“, dafür verantwortlich, daß erstaunte Engländer sich jetzt mit einem Katalog des Münchner Arbeitskreises für Jugendschrifttum konfrontiert sehen, der in einer sonderbaren Sprache verfaßt ist: einem durch Rabelais-Einflüsse verfremdeten Englisch? Sein Titel: „The Best Youvenile Books“.

ZEITMOSAIK

Das amerikanische Nachrichtenmagazin Time veröffentlichte vor kurzem eine Annonce des St. Joseph’s College (Rensselaere, Indiana): Auf einer ganzen Seite wurde erklärt, warum das College dem Father Kramer für seine Bemühungen um die Chemiekenntnisse der Studenten nur 50 Dollar im Monat bezahlen könne.

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