Von Erwin Lausch.

Der erste Versuch, einen unheilbar Nierenleidenden mit neuen Nieren auszustatten, wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert in Deutschland unternommen. 1910 pflanzte der Berliner Chirurg Unger einem todkranken Patienten zwei Affennieren ein. Der Versuch schlug fehl. Der Kranke starb, ohne daß die fremden Nieren auch nur einen einzigen Tropfen Urin abgeschieden hätten.

Was Ungers Kollegen damals als zwar heroisches aber sinnloses Unternehmen erscheinen mußte – der Versuch, funktionsuntüchtig gewordene Körperorgane durch gesunde Organe zu ersetzen –, ist heute eines der zukunftsträchtigsten Arbeitsgebiete der Chirurgen. Einen überblick über den Stand der Transplantationsforschung vermittelte jetzt ein zweitägiges "Transplantationskolloquium", zu dem die Chirurgische Klinik A der Universität Zürich eingeladen hatte. Rund 150 Wissenschaftler aus sieben europäischen Ländern versammelten sich im Kantonsspital, um Erfahrungen über Organverpflanzungen auszutauschen.

Nach dem in Berlin unternommenen Versuch einer Nierenübertragung waren Jahrzehnte vergangen, bis Ärzte einen Menschen, dessen beide Nieren versagten, durch Einpflanzung einer neuen Niere tatsächlich vor dem sicheren Tode bewahren konnten. Das gelang erstmals 1954 einem amerikanischen Ärzte-Team in Boston. Dem todkranken Patienten stiftete sein Bruder eine gesunde Niere. Spender und Empfänger waren eineiige – erbgleiche – Zwillinge.

Fünf Jahre darauf verpflanzten das gleiche Team in Boston und eine Ärztegruppe in Paris mit Erfolg Nieren auch zwischen Menschen, die keine erbgleichen Zwillinge waren und somit nicht die idealen Voraussetzungen für eine Organübertragung boten. Seitdem haben in Kliniken vieler Länder Hunderte von Nierentransplantationen stattgefunden. Rund 50 Prozent der mit neuen Nieren versorgten Menschen, so ergab eine internationale Bilanz, ist nach einem Jahr noch am Leben. Amerikanische Forscher verpflanzten bei ihren Patienten auch Lebern, Lungen und Herzen. Diese Versuche schlugen indes fehl.

"Trotz des Fortschritts der letzten Jahre", so stellte denn auch auf dem Züricher Transplantationskolloquium Professor Äke Senning, der Direktor der einladenden Klinik, in seiner Begrüßungsansprache fest, "ist heute die Zahl der ungelösten Probleme noch viel größer als diejenige der gelösten."

Gelöst sind, so zeigte sich auf der Tagung, die chirurgischen Probleme. Es bereitet keine Schwierigkeiten mehr, Nieren und Lebern, Herzen und Lungen auszutauschen und dabei die Ersatzorgane kunstgerecht an den Blutkreislauf des Empfängers anzuschließen.