Faßt Peking abermals Fuß am Ufer des Tanganjika-Sees? Vor zwei Jahren mußten die Chinesen ihre zentralafrikanische Revolutions- und Agitationszentrale in Bujumbura, der Hauptstadt des kleinen ostafrikanischen Königreiches Burundi, Hals über Kopf räumen. Der neue Herr der nagelneuen Republik, der 27jährige Hauptmann Michel Micombero, deutete an, er werde die Chinesen vielleicht zurückrufen.

Mit einiger Besorgnis verfolgt man diese Entwicklung im benachbarten Ruanda. 1964 hatten sich dort die Bahutus gegen die Watussi, die frühere Herrenrasse, erhoben und sie nach einem blutigen Gemetzel zu Tausenden nach Burundi vertrieben. Erst vor einigen Tagen wurde eine Invasion von 2000 Watussi-Emigranten, die aus Burundi anmarschierten, nach schweren Kämpfen abgewehrt. Die Angreifer wurden von Chinesen ausgebildet und bewaffnet.

Der gestürzte neunzehnjährige König Ntare V. von Burundi, gleichfalls ein Watussi, war gegen die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Peking. Eine Gruppe radikaler Stammesgenossen jedoch, die ihrer alten Vorherrschaft nachtrauern, hatte sich bereits vor langer Zeit mit den Chinesen eingelassen. Ihr Druck auf die Regierung wird nach dem Staatsstreich noch zunehmen.