Eine Regierung haben wir; jetzt fehlt uns nur noch eine Opposition. Vorläufig fällt es schwer, sich eine überhaupt vorzustellen. Selbst der Opposition fällt das etwas schwer.

Zwar hat die FDP angekündigt, sie werde, weil es an Salz fehlen könnte, der Regierung Pfeffer geben. Aber schon ein Satz des Herrn Heck, der mit Mehr anfängt – vielleicht wollte er nur sagen: „Meerwasser ist gut für jede Art von Zipperlein“ – könnte manche FDP-Abgeordnete so peinlich an das Mehrheitswahlrecht erinnern und einschüchtern, daß sie es kaum noch wagen, sich laut zu räuspern, weil das für Opposition gehalten werden könnte. Ein FDP-Mann rief neulich im Bundestag: „Der Maulkorb ist schon verteilt“ – offenbar hatte man ihn dabei vergessen. Möglicherweise werden wir vorerst gar keine Opposition haben.

Nun hat uns die SPD in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnt. Auch wird die Opposition vielleicht bei uns nicht von so arg vielen vermißt. Dennoch meinen manche, es mache sich besser, wenn wir eine hätten. Einmal dem Ausland gegenüber, wo es sonst gleich wieder heißen würde: „Da sieht man’s! Diese Deutschen: Kaum sind 20 Jahre vorbei – schon haben sie keine Opposition mehr“. Aber auch, um der NPD den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil diese Partei ja sehr auf die Einhaltung demokratischer Sitten hält.

Also: wir brauchen eine. Aber wie bekommen wir sie? Das scheint eine besondere Sorge des Bundestagspräsidenten zu sein, wie ich von Herrn P., einem Mann aus seiner Umgebung, erfahren konnte.

„Es geht darum, alle potentiellen Kräfte, die für eine etwaige Opposition in Frage kommen, zu ermuntern – ganz gleich, ob sie rechts oder links vor ihm sitzen. Darum hat er sich von den Fraktionschefs Straffreiheit zusichern lassen für solche Abgeordnete, die in sich den Drang verspüren, ein bißchen zu opponieren. Und die Einpeitscher ermahnt, ihre Peitsche nur in besonders schwerwiegenden Fällen – etwa wenn ein Abgeordneter die Stirn hat, einen Minister zu fragen, was denn nun so neu sei an seiner neuen Politik – zu schwingen.

Vor allem geht es Gerstenmaier darum, auch nicht die leiseste Andeutung einer oppositionellen Anwandlung unter den Sitz des Abgeordneten fallen zu lassen. Wie Sie wissen, liegen ihm Reformen des Bundestages sehr am Herzen. Darum will er spezielle Feldstecher und Hörapparate montieren lassen, die ihm jede Regung anzeigen, aus der sich eine kleine Opposition entwickeln könnte.“

„Sagen wir: ein Abgeordneter hustet von rechts“, sagte ich.