Der Fremdenverkehr hat das Bedürfnis, sich selbst zu interpretieren und zugleich den Touristen besser zu durchschauen. Die Motivwerbung verlangt Motivforschung. Gleichzeitig ist man besorgt um den Touristen, der doch ein Konsument, ein Verbraucher geworden ist, nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel; nicht mehr der Sonderfall, sondern eine fest einzuplanende Größe.

Das Seminar für Fremdenverkehr, das Ende November in Berlin stattfand, veranstaltete deshalb ein Touristisches Verbraucherforum, leider nur intern am Konferenztisch, nicht vor einem größeren Publikum als öffentliche Diskussion.

Man hatte einen Kurgast, einen Urlauber, einen Geschäftsreisenden und einen Stadtbesucher ausgewählt. Dabei stellte es sich heraus, daß die Damen und Herren, die sich als Touristen zur Verfügung stellten, nicht so sehr typisch für“ bestimmte touristische Verbrauchergruppen waren, Sie blieben, auch in ihrer Argumentation, recht allgemein. Dennoch gelang es, über das allgemeine Unbehagen an manchen touristischen Einrichtungen auch in Details zu gelangen. Zum Beispiel das Trinkgeld: Gibt man es, als „Bestechungssumme“, vorher oder nachher? Einfacher ist es schon, auf einem Atlantikflug dem Steward in der ersten, halben Stunde 20 Mark zuzustecken (obwohl es heißt, das fliegende Personal nimmt kein Trinkgeld), damit unterwegs alles aufs angenehmste für den Fluggast bereitet werde. Oder wartet, man bis zum Ende der Flugreise, des Hotelaufenthaltes, um dann erst Trinkgelder zu verteilen? Man kann dabei ins Hintertreffen geraten. Andere Gäste sind vielleicht einfühlsamer in die Psyche des Kellners, des Stewards. „Zu viel Trinkgeld verwöhnt“, entgegnete in Berlin der Direktor des größten Hotels der Bundesrepublik. Er mache sein Personal darauf aufmerksam, daß Zurückhaltung den Umsatz steigere. Die Gäste kämen dann öfter ins Haus.

Jeder Hotelgast möchte ein ruhiges Zimmer haben. Da diese Zimmer aber meistens nach rückwärts liegen, nehmen sie Küchengerüche auf, Aber Ruhe möchte man haben im Hotel, obwohl man doch weiß, daß ein Hotel nicht immer ein ruhiger Ort sein kann.

Der berüchtigte dritte Tag im stationären Urlaub wurde herangezogen, an dem die Urlaubskrise beginne. Man wisse nicht mehr, was man anfangen solle. Bei längeren Aufenthalten ist es auch der siebente Tag, der schrecklich sei. Die Krise erfasse Umgebung, Menschen, Natur. Diese Erscheinungen im Urlaub werden zwar oft überspielt, aber tiefenpsychologisch bleibe doch manches übrig. So werde die Wahl des nächsten Urlaubsortes von den Erfahrungen mit dem Krisentag bestimmt.

Da ältere, alleinstehende Damen heute einen Großteil der Touristen stellen (sie haben Zeit, Geld, sie sind unruhig, also reisen sie oft und gern), ergeben sich Probleme, die fast schon bis zur Seelsorge reichen. Die alleinstehende ältere Dame in der Hotelhalle: von niemandem beachtet, fremd unter Fremden, neidisch auf Gruppen, auf Familien, ressentimentgeladen gegenüber Pärchen. Die ältere Dame am Einzeltisch im Speisesaal, die sich schlechter bedient glaubt als das Ehepaar am Nachbartisch. Die Abende, Nächte im Kurort, in den Städten – niemand kümmert sich um die Touristinnen, sie sind Außenseiter.

Ob da Damentees, wie man es in Köln versucht, helfen werden, Bridgeabende im Hotel? Man versammelt dort doch nur die älteren Damen zu ihren Altersgenossinnen, und was kommt dabei heraus? Vielleicht könnte man hier ortsansässige Rentner, Pensionäre auftreiben, die auch einsam sind und älteren Damen als Begleiter dienen möchten ...