Unter dem sanften Druck der Bundesregierung hat sich die Mineralölwirtschaft erneut dazu bereitgefunden, ihre Absatzausweitung im kommenden Jahr „freiwillig“ zu beschränken. Dadurch will man den Absatzrückgang der Kohle ein wenig bremsen. Insgesamt sollen 1967 etwa 37 Millionen Tonnen Heizöl verkauft werden. Das sind rund 8 Prozent mehr als indiesem Jahr.

Den etablierten Unternehmen billigt man dabei einen Mehrumsatz von 3 Prozent zu, in die restlichen 5 Prozent müssen sich die neuen Raffineriekapazitäten kleinerer Unternehmen und die Newcomer teilen; außerdem soll in dieser Zahl eine Reserve für Härtefälle sein. Referenzmenge ist der Umsatz des Jahres 1966 – wobei der Dezemberumsatz für alle nach einem einheitlichen Schlüssel geschätzt wird.

Mit dieser Dezember-Schätzung will man, so die Mineralölwirtschaft, die Gefahr ausschließen, daß „eine dem Geist und der Zielsetzung der Selbstbeschränkung widersprechende Ausweitung des Angebots erfolgt“. Das allerdings ist den Ölleuten reichlich spät eingefallen, denn der Sündenfall ließ nicht bis zum Dezember auf sich warten.

Schon vorher verstießen einige der Selbstbeschränkungspartner, die sich am Markt als Konkurrenten gegenüberstehen, gegen den unfreiwilligen Schwur: Sie verkauften mehr, als sie hätten verkaufen dürfen. 32,4 Millionen Tonnen hatte man sich insgesamt zugestanden; jetzt schätzt man den Absatz für 1966 auf 34,3 Millionen Tonnen. Die „Sünde“ wiegt also 1,9 Millionen Tonnen.

Und sie macht sich doppelt bezahlt. Denn die Sünder haben 1966 mehr verkauft als sie durften – und werden deshalb 1967 mehr verkaufen dürfen. Inzwischen haben sich die Beteiligten nämlich auf eine Generalabsolution geeinigt. Man ist den Sündern nicht nur nicht böse, man erkennt sogar ihren zusätzlichen Absatz als Referenzmenge an. hgk.