Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft und die Schweizerische Rückversicherung in Zürich liefern sich als die beiden größten Rückversicherer der Welt ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die Münchener Rück liegt, was die Gesamtpränieneinnahme betrifft, noch um rund 100 Millionen Mark hinter ihrem Zürcher Konkurrenten, den sie aber in bezug auf den Prämienselbstbehalt (der den engeren Risikoumfang eines Vericherers zu erkennen gibt) inzwischen wieder erreicht hat. In einem Punkt freilich werden sich die durch zwei Kriege erlittenen Einbußen der Münchener Rück so bald nicht ausgleichen lassen: Als Weltkonzern ist die Schweizerische Rück mit ihren Tochtergesellschaften eindeutig das größere Unternehmen geworden.

1965 hatte das eine Schattenseite, denn der Hurrikan „Betsy“, der den Süden der USA verwüstete, brachte der Schweizerischen Rück 23 Millionen Franken Zahlungsverpflichtungen, der Münchener Rück dagegen 9 Millionen insgesamt und 5,8 Millionen „im Selbstbehalt“, also direkt aus der eigenen Kasse. Auch sonst war 1965 für die Münchener Rück kein sonderlich erfreuliches Jahr. Vor allem schlugen Wertpapierabschreibungen in die Rechnung, und zwar mit 27 Millionen, zumal der Bewertungsstichtag der 30.6.66 war, an dem die Rentenkurse so ziemlich ihren absoluten Tiefststand erreicht hatten. Man versuchte einen Ausgleich durch Aktienverkäufe in den USA und auch in der Bundesrepublik, die immerhin runde 15 Millionen Kursgewinne bar in die Kasse brachten – von wo sie gleich als Sonderzuweisung in die versicherungstechnischen Reserven wanderten. Generaldirektor Dr. Alzheimer: „Wir sind in den letzten Jahren nicht ärmer geworden“.

Auf eine Stärkung des offenen Eigenkapitals wurde diesmal verzichtet; es hatte im Vorjahr eine kräftige Spritze in Form junger Aktien erhalten. Das erfordert auch mehr für die 16 Prozent Dividende, die es, wie schon seit 1960, wieder geben soll. Die italienische Überschwemmungskatastrophe, deren Schäden sich jetzt allmählich ausrechnen lassen, wird die Versicherer nicht sehr treffen, denn die vernichteten Werte waren meistens nicht versichert. So unterschiedlich ist das: Vor vier Jahren, als die deutsche Nordseeküste von der großen Sturmflut heimgesucht worden war, hatte die Münchener mehr als das Doppelte ihres „Betsy“-Schadens von 1965 zahlen müssen. Bg.