Das große Abenteuer für den Anspruchsvollen – Westindien und Südamerika 32 Tage –, ab 1525 Mark mit dem bekannten, früher schwedischen Luxuspassagierschiff, der MS „Stockholm“, ab Göteborg So beginnt ein bunter Prospekt der schwedischen Stena-Lines, Göteborg, den Kundenfang unter dem westdeutschen Publikum. Aber das ist Dummenfang. Erst wenn man sich den Prospekt sehr genau ansieht, liest man an einer anderen Stelle unter „Technische Daten“: Name des Schiffes: „Völkerfreundschaft“ (früher MS „Stockholm“). Daß das Schiff von schwedischen Reiseveranstaltern vom FDGB aus der DDR gechartert wurde – mit der Schiffsmannschaft – steht nicht dabei.

Der Büroleiter des deutschen Generalagenten, der Reise- und Fährschiffsagentur Trasy & Co. in Hamburg, meinte, der Prospekt wäre psychologisch nicht einwandfrei, weil er die Reisewilligen mit dem Ex-Namen des Schiffes irreführe.

Vorerst sind die Buchungen für die 12 420 BRT große „Völkerfreundschaft“ für die Aprilreise gestoppt. Es sollen neue Termine genannt werden. Für die offerierte Reise zum Jahreswechsel am 28. Dezember haben sich Reisende aus der Bundesrepublik schon angemeldet. Wie viele, konnte der Generalagent nicht sagen. Die Liste werde in Göteborg geführt, hieß es. DDR-Bewohner dürfen nicht mitreisen. Die Kreuzfahrt wird vornehmlich für Skandinavier veranstaltet. In dem genannten Preis, der von 1525 bis zu 3825 Mark heraufgeht, ist die Hin- und Rückreise Hamburg–Göteborg eingeschlossen, mit einem Omnibus.

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Das Erscheinen zweier sowjetischer Passagierschiffe auf dem westdeutschen Markt (DIE ZEIT Nr. 45) und zweier Schiffe aus der DDR, jetzt der „Völkerfreundschaft“ und im Juli und August schon des DDR-Passagierschiffes „Fritz Hecken“, das mit Skandinaviern und Westdeutschen zwei Nordlandreisen machte – beunruhigt das deutsche Reisebürogewerbe. Als die sowjetische „Alexander Puschkin“ für 6000 Dollar Tages-Charter und drei Dollar pro Tag und Passagier für Verpflegung für diesen Winter angeboten wurde, haben beispielsweise die Touropa und auch eine Hamburger Generalagentur für Skandinavienreisen es abgelehnt, das Schiff zu diesem Dumpingpreis zu chartern. Entgegen der von der Neckermann Reiseabteilung der ZEIT gegebenen Auskunft war die erste Ausreise der von dem Versandhaus gecharterten „Taras Shevshenko“ nach Westindien nicht mit 670 Passagieren ausverkauft. Tatsächlich waren nicht einmal 450 Passagiere an Bord.

Für die erste Ausreise der „Alexander Puschkin“ – in Charter der Scandinavian Ocean Lines von Kopenhagen aus haben sich nur 35 deutsche Teilnehmer gemeldet. Reserviert waren auf diesem Schiff für jede der drei vorgesehenen Reisen jeweils 125 Plätze für Bundesrepublikaner. Bisher liegen insgesamt für die drei Reisen nur 85 Anmeldungen vor, obwohl den Reisebüros zuerst die gutaufgemachten Prospekte „aus der Hand gerissen wurden“. Allerdings kommen die Charterer – durch den ungewöhnlich niedrigen Charterpreis selbst dann noch auf ihre Kosten, wenn die Schiffe nur halb oder etwas mehr belegt sind.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die Reederei des sowjetischen Passagierschiffes „Alexander Puschkin“ dem Trend der westlichen Reedereien folgt: Im Sommer läuft das Schiff im Linienverkehr zwischen Leningrad, Helsinki, Kopenhagen, London und Montreal und im Winter im Kreuzfahrtengeschäft. Allerdings mit keinen überzeugenden Zahlen. Bei einer Kapazität von 82 Betten Erster Klasse und 580 in der Touristenklasse war das Schiff durchschnittlich nur zu 40 Prozent besetzt, auf einer dieser Reisen waren nur etwa 50 Passagiere an Bord. 50 Prozent, die Hälfte der Passagiere also, stiegen in London zu oder aus. Die Linie Leningrad–Montreal ist nicht mit der „Hochstraße der Nationen“, dem Nordatlantik und seinem viel stärkeren Passagierverkehr zu vergleichen. In der bescheidenen Auslastung des sowjetischen Schiffes dürfte eine Erklärung dafür zu suchen sein, weshalb die Sowjets ihre Schiffe zu Dumpingpreisen auf Devisensuche schicken.

In der DDR sind bereits drei weitere 18 000 BRT große Passagierschiffe für die Sowjets im Bau. Außerdem soll schon 1968 ein 36 000 BRT großes Passagierschiff abgeliefert werden. Auch der Name wurde schon genannt: „Kaukasus“. Der ganz harte Konkurrenzkampf um jeden Passagier beginnt erst. C. B.