Viele priesen sie geradezu als ein Wunderkind. Das war zwar übertrieben, doch machten ihr überraschendes Auffassungsvermögen, ihre Frühreife, ihre ausgesprochene Begabung auf so vielen Gebieten überall großen Eindruck. Sie beherrschte mehrere Sprachen: Französisch, Italienisch, Spanisch und von den alten das Griechische und Latein. Als Dreizehnjährige hielt sie eine selbstverfaßte lateinische Rede. Darin vertrat sie die Auffassung, daß Frauen genauso wie Männer dazu berufen seien, in der Kunst und in den Wissenschaften zu arbeiten.

Sie selber wollte sich nicht mit bloßer Wiedergabe von Kunst begnügen, indem sie zum Beispiel Zither, Harfe, Laute, Spinett spielte; sie hatte genügend Selbstvertrauen, auf dem Felde der Dichtung produktiv zu werden. In der Literatur wußte sie gut Bescheid (für Bücher und wertvolle Handschriften hat sie viel Geld ausgegeben), auch in Philosophie und Geschichte.

Doch war sie nicht etwa, was man in späterer Zeit einen „Blaustrumpf“ nannte. Dazu war sie viel zu sportlich, eine hervorragende Reiterin, gewandt und ausdauernd, und eine leidenschaftliche Jägerin. Vor allem aber war sie für einen „Blaustrumpf“ viel zu charmant und zu weiblich. Nicht nur von dem jungen Mädchen sagte man, sie brauche einem Mann nur zuzulächeln, um ihm den Kopf zu verdrehen – das galt für ihr ganzes Leben.

Seltsamerweise aber ist es den Männern nicht gut bekommen, wenn sie ihnen zulächelte. Männern brachte sie kein Glück. Das war nicht immer ihre Schuld. Der erste – sie hatte ihn als Fünfzehnjährige geheiratet – starb nur drei Monate nach der Hochzeit an einer Verletzung, die er sich bei einem Turnier zugezogen hatte; eine Lanze war ihm ins Auge gedrungen.

Der zweite, dem sie kein Glück brachte, war ein junger Adliger, mit dem die lebenslustige Witwe – das war fast sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes – Briefe und geistreiche Verse wechselte. Ihm stiegen die Freundlichkeiten, mit denen sie ihn vor anderen auszeichnete, rasch zu Kopf, so daß er sich eines Tages den tollen Streich erlaubte, in ihr Schlafzimmer zu schleichen und sich unter ihr breites französisches Bett zu legen. Da entdeckten ihn ihre Kammerfrauen – „gestiefelt und gespornt“ übrigens Und bewaffnet mit Schwert und Dolch. Als man ihr das berichtete, verbot sie ihm, sie je wiederzusehen. Er aber war bereits so entflammt, daß er kurze Zeit darauf wieder in ihr Zimmer schlich. Das hat ihn das Leben gekostet. Er wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Der dritte (dem sie allerdings nicht nur zugelächelt hatte) kam ebenfalls auf gewaltsame und für jene Zeit eigentlich recht umständliche und geräuschvolle Weise ums Leben. In diesen Mann war sie anfangs leidenschaftlich verliebt gewesen; sie heiratete ihn, fühlte sich dann jedoch bald enttäuscht, ja von ihm beleidigt. Da sorgten andere – ob mit ihrem Wissen oder gar in ihrem Auftrag, ist umstritten – für seine Beseitigung. Sie entschlossen sich, ihn mit einem ganzen Haus in die Luft zu sprengen. Sein Zimmer lag im ersten Stock. In den darunter liegenden Raum ließen sie abends viele Sack Schießpulver schleppen. Nachts legten sie die Zündschnur. Dann gab es eine ohrenbetäubende Explosion, die die gesamte Nachbarschaft aus dem Schlaf riß – auch seine Frau, die die Nacht nicht bei ihm, sondern in der Nähe auf einem Schloß verbrachte. Man fand eine rauchende Trümmerstätte und, gräßlich verstümmelt, vier tote Diener. Ihn fanden sie im Garten – ebenfalls tot. Vermutlich ist er bei einem Handgemenge niedergestochen worden; jedenfalls hatte er, da er wohl verdächtige Geräusche gehört hatte, das Haus noch vor der Explosion verlassen.

Aber das istnie genau untersucht worden. Absichtlich nicht. Denn hinter diesem Mord stand bereits ein vierter Mann, der sich von ihr hatte betören lassen. Er heiratete jetzt die zweimalige Witwe. Doch auch ihm brachte sie kein Glück, mag sie ihn auch in einem ihrer Sonette als das Ziel ihrer Wünsche besungen haben. Er mußte ins Ausland fliehen, wo man ihm aber kein Asyl gewährte, sondern ihn gefangen setzte.