Das einzige wirkliche Daseinsrecht Denkender ist, die Menge der Menschen vor den wenigen, die sie ausbeuten und verderben, zu warnen. Heinrich Mann

Nachzuahmen

Das amerikanische Nachrichtenmagazin Time veröffentlichte vor kurzem eine Annonce des St. Joseph’s College (Rensselaere, Indiana): Auf einer ganzen Seite wurde erklärt, warum das College dem Father Kramer für seine Bemühungen um die Chemiekenntnisse der Studenten nur 50 Dollar im Monat bezahlen könne. Die Annonce schloß: „If you would like to help us, we would be grateful.“ Der Verleger von Time, Bernhard M. Auer, und sein Stab waren die ersten, die sich betroffen fühlten. Sie fanden, daß es nicht angehe, mit solchen Bitten um Geld Geld zu verdienen: Die 6 000 Dollar, die die Anzeige gekostet hatte, wurden postwendend an das College zurücküberwiesen. Dazu beschloß Time, seine Annoncenseiten der höheren Bildung zu öffnen. Pro Jahr werden von nun ab 50 Anzeigen von Colleges und Universitäten, die Sorgen haben und Hilfe brauchen, kostenlos abgedruckt.

I’m the greatest

Axel Caesar Springer schreibt offene Briefe an die Amerikaner und läßt sich diesen Spaß einiges kosten: In der Sonntagsausgabe der New York Times vom 27. November findet sich eine ganzseitige Anzeige, die in markigen Lettern und ebensolchen Worten klarstellt, was die Welt an Axel Springer hat. So hebt sie an: „My name is Axel Springer. I am a German. My city – Berlin – is divided by a wall.“ So wird der An-der-Mauer-Bau erklärt: „Confidence... is contagious. This is why the Axel Springer Publishing House overlooks the Wall. As a symbol to the people in East Germany that freedom continues to exist.“ Und sie endet noch schöner: „My credo as a publisher is: Newspapers should be interested in, but not take the place of folitics... We of the Axel Springer Publishing Group wish to serve, then, as builders of bridges. As a vehicle for dialogue between all nations and all peoples, until all our walls are memories of times that never should have been.“

Architekt nicht vergessen

Deutsche Architekten, die viel Verdruß empfinden, wenn Abbildungen ihrer Bauten in Zeitungen und anderswo ohne Nennung des Urhebernamens erscheinen, können mit Neid auf die westafrikanische Republik Elfenbeinküste blicken. Dort ist eine Briefmarke mit gängigem Nennwert erschienen, die das in der Hauptstadt Abidjan von einer israelischen Finanzgruppe und der Regierung erbaute Luxus-Hotel „Ivoire“ zeigt. Selbst auf dem winzigen Postwertzeichen ist der Name des Architekten vermerkt: H. Fenchel, der übrigens Berliner Herkunft ist. Auch die deutsche Bundespost brachte in diesem Jahr eine Briefmarkenserie „Das neue Berlin“ heraus mit Abbildungen des Europa-Centers, der Deutschen Oper, der Kongreßhalle und anderer Berliner Bauten. Daß die Architekten nicht genannt sind, braucht nicht erst hinzugefügt zu werden.