Der Außenhandel der im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe – Comecon – zusammengeschlossenen europäischen Ostblockländer hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwas schneller entwickelt als der gesamte Welthandel. Die Außenhandelsumsätze der Ostblockländer stiegen seit 1955 um das Zweieinhalbfache von 61.3 auf 154,7 Milliarden Mark, während der gesamte Weltaußenhandel sich von 727,8 auf 1513,2 Milliarden Mark erhöhte.

Dabei ergaben sich einige erhebliche Veränderungen in der Zusammensetzung des kommunistischen Außenhandels. Während der Handel der Comecon-Länder untereinander mit 65 Prozent des Ostblockaußenhandels praktisch unverändert blieb, stieg der Anteil der westlichen Industrieländer ganz erheblich. Ihr Anteil an den Importen des Ostblocks stieg von 16,3 aüf 21.4 Prozent, an den Exporten von 8,8 auf 20,6 Prozent. Die Entwicklungsländer haben ihren Anteil in beiden Richtungen jeweils verdoppeln können. Die Verlierer waren China, die Mongolische Volksrepublik, Nordkorea und Nordvietnam, deren Anteil am Ostblockaußenhandel von über 13 auf 3,5 Prozent zurückging.

Im Vergleich zu Westeuropa spielt der Außenhandel im Ostblock trotz der Erfolge der letzten Jahre immer noch eine untergeordnete Rolle. Auf die 275 Millionen Einwohner der EWG und der EFTA entfielen 1965 etwa 45 Prozent des gesamten Außenhandels der Welt, während die 330 Millionen Einwohner des Ostblocks nur 10 Prozent des Weltaußenhandels auf sich vereinigen konnten.

Der deutsche Außenhandel konnte in den ersten neun Monaten dieses Jahres seine Osthandelsumsätze kräftig steigern. Die deutschen Importe aus Ostblockländern stiegen um 14,1 Prozent auf 2,29 Milliarden Mark, die Exporte um 19,3 Prozent auf ebenfalls 2,29 Milliarden. Dabei wurde der Interzonenhandel, der als innerdeutscher Handel gilt, nicht mitgerechnet.

Mit diesem Ergebnis wird die Bundesrepublik ihren traditionellen Platz als größter westlicher Handelspartner des Ostblocks auch in diesem Jahr behalten, nachdem die Hoffnungen Frankreichs sich nicht erfüllt haben, durch die politische Annäherung an Moskau den Außenhandel kräftig zu beleben. Die Importe sowjetischer Waren stiegen in den ersten acht Monaten 1966 zwar von 435 auf 517 Millionen Franc, der Absatz französischer Waren in der Sowjetunion ging in der gleichen Zeit jedoch von 235 auf 211 Millionen Franc zurück. mh.