Immer deutlicher wird das Drängen der Kremlführung, möglichst bald eine kommunistische Weltkonferenz einzuberufen. Regelmäßige internationale Treffen der KP-Chefs, so argumentieren die Mächtigen in Moskau, seien das beste Mittel, die zunehmende Differenzierung im Lager des Weltkommunismus zu verhindern und den immer stärker werdenden Selbständigkeitstendenzen Einhalt zu gebieten.

Freilich wird es für den Kreml immer schwieriger, die kommunistischen Parteien zur Teilnahme an einer Gipfelkonferenz zu bewegen. Auf Moskauer Wunsch trat im September 1960 eine „Vorbereitungskommission“ aus Vertretern von 26 kommunistischen Parteien zusammen, um die zweite Weltkonferenz vorzubereiten. Die Zahl der kommunistischen Parteien war inzwischen auf 82 angewachsen. Schon in der Vorbereitungskommission kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, die sich auf der am 10. November 1960 begonnenen Weltkonferenz noch steigerten. Das rote Konzil zog sich fast einen Monat lang hin, ehe am 5. Dezember 1960 eine „Deklaration der 81 kommunistischen Parteien“ veröffentlicht werden konnte. Diese Erklärung, die damals von allen Parteien – wiederum mit Ausnahme Jugoslawiens – unterzeichnet wurde, ist seither immer wieder als „Generallinie der internationalen kommunistischen Weltbewegung“ gepriesen worden. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um ein langatmiges Kompromißdokument aus Moskauer und Pekinger Thesen, voller Kautschuk-Formulierungen und Widersprüche.

So war es nicht erstaunlich, daß seit dem Frühjahr 1962 Moskau wiederholt versuchte, eine neue dritte Weltkonferenz einzuberufen, um eine neue Generallinie zu proklamieren. Die Sowjetführung stieß bei diesem Vorhaben jedoch auf so starken Widerstand, daß bereits viermal die Vorbereitungskampagnen abgebrochen werden mußten.

Erst im Herbst 1966 faßte Moskau neuen Mut. Entscheidend waren dafür die Rückschläge und die zunehmende Isolierung der Pekinger Führer. Die chinesischen Kommunisten hatten in den vergangenen zwei Jahren fast alle Verbündeten verloren: Nord-Korea, Nord-Vietnam und Kuba, die kommunistische Partei Japans; die mit Peking sympathisierende KP Indonesiens war zerschlagen worden. Die Pekinger Kulturrevolution wurde von fast allen kommunistischen Parteien verurteilt, selbst das Peking-treue Albanien begann sich zu distanzieren. Diese Rückschläge glaubte Moskau als einen Erfolg für sich buchen zu können. Die Zeit für die Einberufung einer neuen Weltkonferenz schien reif zu sein.

Wiederum hatten auf Geheiß des Kreml andere kommunistische Parteien die Rolle des Vorreiters zu übernehmen.

Erst nach dieser ideologisch-politischen Vorbereitung wurde der bulgarische KP-Kongreß Mitte November als Forum ausersehen, um den Konzilsplan offiziell zu verkünden. Leonid Breshnew erklärte, „daß die Vorbedingungen der Einberufung immer mehr heranreifen.“ Der sowjetische Generalsekretär hoffte wohl, daß es Moskau diesmal gelingen würde, die Mehrheit der 94 kommunistischen Parteien zur Teilnahme gevinnen zu können.

Die Schwierigkeiten indessen ließen nicht lange auf sich warten. Das erste Zeichen dafür war eins Veränderung in der Rede des bulgarischen KP-Führers Todor Shiwkoff. In dem verbreiteten Text hieß es noch, die Bedingungen für eine solche Weltkonferenz „sind reif“. Als Shiwkoff später die Rede vor dem Kongreß hielt, schwächte er diese Formulierung in „werden zunehmend reif“ ab.