Die deutschen Investment-Fonds haben in ihrem Kampf gegen die cleveren Vertreter amerikanischer Anlagegesellschaften in der Bundesrepublik unverhofft einen Verbündeten erhalten. Die Securities and Exchange Commission (SEC), die amerikanische Aufsichtsbehörde für das Börsenwesen, hat nämlich jetzt einen Bericht veröffentlicht, der sich äußerst kritisch mit den Methoden der amerikanischen Mutual Funds befaßt. Die Ergebnisse der 5 Jahre dauernden Untersuchung geben den Kritikern der sogenannten Sparpläne recht, denn sie bestätigen, daß diese Variante des Investment-Sparens, wie sie von den amerikanischen Fonds entwickelt worden ist, für den Sparer selbst eine zweischneidige Sache darstellt.

Sie erinnern vielleicht, meine verehrten Leser, daß wir uns zu Beginn dieses Jahres mehrfach mit den Vertriebsmethoden einzelner amerikanischer Investmentfonds beschäftigt haben. Ihr Absatzerfolg in der Bundesrepublik hatte im wesentlichen zwei Gründe. Erstens der nicht abstreitbare finanzielle Nutzen, den die Besitzer von Anteilen amerikanischer Fonds in den zurückliegenden Jahren erzielt haben (eine Folge der ungewöhnlichen Wallstreet-Hausse) und zweitens das Vertriebssystem, das dem einzelnen Vertreter beträchtliche Provisionen sichert, die natürlich vom Sparer getragen werden müssen.

Daß diesen Vertretern oftmals sehr angreifbares Werbematerial in die Hand gegeben wurde, sei hier nur am Rande erwähnt. In dieser Beziehung hat sich einiges gebessert, da einige Fonds sich nunmehr der Hilfe deutscher Banken bedienen, die es ihrem guten Ruf schuldig sind, darauf zu achten, daß nur mit lauteren Motiven geworben wird.

Was will nun die SEC? Sie verlangt eine Verringerung der Gebühren von den heutigen 9 Prozent (bei größeren Abschlüssen gibt es gewisse Rabatte) auf höchstens 5 Prozent. Das würde natürlich dem Vertriebssystem einen harten Stoß versetzen, weil es danach schwerfallen wird, die Vertreter noch so gut zu entlohnen wie bisher. Die SEC tritt weiter für eine Senkung jener Gebühren ein, die von der Leitung der Anlagefonds vereinnahmt und die als-Entgelt für die Anlageberatung bezeichnet werden. Im letzten Jahre kassierten die Berater allein 130 Millionen Dollar. Gefordert wird außerdem ein Verbot zusätzlicher Kommissionen, die einige Fonds ihren Anteilscheininhabern für die Wiederanlage ihres Dividendenanteils berechnen. Verboten werden sollen gewisse Geschäfte zwischen den Verwaltungen der Fonds und den Börsenmaklern, die den „Anlageberatern“ eine zusätzliche Verdienstquelle eröffnen.

Der härteste Schlag, den die SEC gegen die Mutual Funds führt, ist aber die gewünschte Revision der sogenannten Sparpläne, die auch in der Bundesrepublik weite Verbreitung gefunden haben. Beim Abschluß eines solchen Planes verpflichtet sich der Sparer, zehn Jahre lang in jedem Monat einen bestimmten Betrag an den Fonds abzuführen, der ihm dann entsprechend viele Anteile gutschreibt. Ähnliche Absprachen kennen auch einige deutsche Fonds, gegen sie ist grundsätzlich nichts einzuwenden.

Bedenklich ist jedoch bei den Amerikanern das Spesenproblem. Schließt jemand einen Vertrag über den Ankauf von Anteilen im Werte von 1000 Dollar jährlich ab, so muß er bei vielen Fonds im ersten Jahr die Hälfte dieser Summe als Gebühren entrichten, der noch fehlende Rest wird ihm dann in den folgenden Jahren abgezogen, so daß die Spesen im Durchschnitt 9 Prozent betragen. Wie mir Vertreter der deutschen Vertriebsgesellschaften immer wieder versicherten, ist diese „harte“ Spesenrechnung das einzige Mittel, um die Sparer über viele Jahre bei der Stange zu halten. Denn die Kündigung des Vertrages bedeutet in den ersten Jahren nichts anderes als die Inkaufnahme eines empfindlichen Verlustes. Es stimmt bedenklich, wenn die SEC feststellt, daß sich. 16,2 Prozent aller Unterzeichner von Sparplänen schon im ersten Jahr von dem Vertrag wieder lossagen und einen fünfzigprozentigen Verlust in Kauf nehmen.

Der Plan hat aber noch einen anderen Nachteil. Der hohe Spesenabzug zu Beginn der Spartätigkeit, der sein muß, um die Vertreter zu finanzieren, wirkt sich nämlich nachteilig für die Gesamtanlage aus. Sie wissen, meine verehrten Leser, daß die Fonds in ihrer Werbung den Wachstumgedanken in den Vordergrund stellen. Sie verzichten meist auf Ausschüttungen und legen die Erträgnisse zugunsten der Anteilseigner sofort wieder an. Aber gerade die Sparsumme, die am längsten an der Wertsteigerung teilnehmen könnte, also die des ersten Sparjahres, wird durch die Spesen forsch halbiert. Bei normaler Börsenentwicklung ist dieser Nachteil während der ganzen Vertragsdauer nicht wieder aufzuholen. Seriöse Anlageberater empfehlen deshalb, regelmäßige Einzahlungen bei Fonds vorzunehmen, aber nicht im Rahmen eines Sparplans, sondern völlig freiwillig. Man läuft dann zwar Gefahr, gegen Ende einer zehnjährigen Sparperiode höhere Provisionen als heute zahlen zu müssen (wenn man davon ausgeht, daß sich der Wert der Anteile kontinuierlich steigert), aber das wiegt die finanziellen Nachteile leicht auf, die man mit den Sparplänen in Kauf nehmen muß.