Abschreckung gilt als „friedlicher Zweck“

New Delhi, im Dezember

Die Kuppel des graziösen, über alle Maßen prächtigen Taj Mahal hob sich glitzernd vom dunkelblauen Himmel ab. Das Grabmal, das ein tiefbekümmerter Mogul vor dreihundert Jahren seiner Lieblingsfrau errichtete, hatte auch an diesem leuchtenden Nachmittag wieder Rudel von Touristen angezogen: Sinnbild und Prunkstück einer weltumspannenden Indienromantik.

„Diese Romantik bringt uns wenigstens Devisen. Aber sie hat doch einen Nachteil: Es gibt im Ausland allzu viele Menschen, die ans Taj Mahal denken, wenn sie an Indien denken!“

Der Redakteur einer großen Zeitung in Delhi, der mir schon seit Tagen ein in der Information verläßlicher, in seinem moderaten Zynismus zuweilen verwirrender, aber immer unterhaltsamer Reisebegleiter war, drehte – vielleicht zufällig, vielleicht auch als Geste des Trotzes – dem gleißenden Überbleibsel islamischer Vergangenheit den Rücken zu.

„Übrigens“, sagte er, „müssen wir hier den Weg freimachen. Am Eingang sind schon die roten Teppiche ausgerollt – gleich kommt der tschechische Staatspräsident Novotny zum obligaten Taj-Besuch. Auch er wird fasziniert sein. Denn fasziniert sind sie alle, die Besucher aus Ost und West, das verbindet sie.“

Wir spazierten durch eine von blühenden Bäumen überrankte Allee am Rande der Gartenanlage.