Wolf Seidl: Bayern in Griechenland. Süddeutscher Verlag, München. 246 Seiten.

Nicht ohne Sinn für klassisches Versmaß hatte Ludwig I. von Bayern als Kronprinz geschrieben: „Lieber wär’ ich hellenischer Bürger denn Erbe des Throns...“ Als König hat er den Befreiungskampf der Griechen tatkräftig unterstützt. Und sein Sohn Otto wurde dann der erste König des befreiten Volkes. Onkel Kaiser Franz von Österreich soll das in drei Wörtern kommentiert haben „Der arme Bua.“ In der Tat, als 1832 drei Abgeordnete aus Griechenland dem erst siebzehnjährigen Regenten in München (wo man deshalb das Oktoberfest verlegte) die Huldigung ihres Volkes überbrachten, war Griechenland für Fürsten und Politiker ein Land voller Stolpersteine. Immerhin dauerte es drei Jahrzehnte, bis König Otto und Königin Amalie aus ihrer Wahlheimat vertrieben wurden und ins Exil gingen, nach Bamberg. Damit war die bayrische Episode der griechischen Geschichte beendet. Es war ein buntes, widersprüchliches, abenteuerliches Kapitel neuerer Historie. Wolf Seidl hat es in aller Ausführlichkeit beschrieben: in keiner Zeile langweilig und doch wissenschaftlich genau, in der Erzählung manche Tragikomik nicht verschweigend, im Bericht den ganzen Ernst der Affäre kennzeichnend. Das Buch hat überdies den Vorzug, daß es einzigartig ist; es gibt keine andere Darstellung des letzten spezifisch bayerischen Abenteuers in der Weltpolitik.

A. R.